Alpenstrandläufer (Calidris alpina) – kleiner Watvogel mit eindrucksvollem Vogelzug

Der Alpenstrandläufer gehört zu den häufigsten Watvögeln an den norddeutschen Küsten. Besonders im Wattenmeer von Schleswig-Holstein und Niedersachsen können während des Frühjahrs- und Herbstzuges große Schwärme beobachtet werden. Auch an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns, insbesondere in Bodden, Lagunen, flachen Buchten und auf Windwatten, ist er ein regelmäßiger Durchzügler. Im Binnenland erscheint die Art ebenfalls an geeigneten Schlammflächen, flachen Gewässern oder überschwemmten Wiesen, dort jedoch meist in wesentlich geringerer Zahl.

Vorkommen und Bestand in Norddeutschland

Beim Alpenstrandläufer muss deutlich zwischen den zahlreichen Rast- und Zugvögeln und den wenigen heimischen Brutvögeln unterschieden werden. Die großen Schwärme an der Nordseeküste stammen überwiegend aus weiter nördlich gelegenen Brutgebieten. Das Wattenmeer ist für sie eine der wichtigsten „Tankstellen“ auf dem ostatlantischen Zugweg. Im Laufe eines Jahres nutzen weit über eine Million Alpenstrandläufer das gesamte Wattenmeer. Gleichzeitig anwesende Bestände sind naturgemäß kleiner: Für Deutschland wurde beispielsweise ein Rastbestand von rund 415.000 Individuen angegeben, davon etwa 210.000 in Niedersachsen.

Als Brutvogel befindet sich der Alpenstrandläufer dagegen in einer völlig anderen Situation. In Norddeutschland brütet die südliche Unterart Calidris alpina schinzii. Sie war früher an den Küsten wesentlich weiter verbreitet, ist inzwischen aber auf winzige Restbestände zusammengeschmolzen. Für Schleswig-Holstein nennt die Rote Liste nur noch 0 bis 6 Revierpaare pro Jahr; für Niedersachsen wurden für 2020 lediglich 1 bis 2 Paare angegeben. Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist der Bestand massiv zurückgegangen. Dort wurden während der Kartierung 2005–2009 noch sieben bis neun Paare festgestellt; 2012 waren am wichtigsten verbliebenen Brutplatz auf dem Kirr nur noch vier Paare vorhanden.

Der aktuelle bundesweite Bericht zur Bestandssituation der Vögel dokumentiert für den Alpenstrandläufer einen Rückgang des deutschen Brutbestandes um rund 84 Prozent innerhalb von 24 Jahren. Damit gehört er zu den am stärksten zurückgegangenen Brutvogelarten Deutschlands. Bundesamt für Naturschutz

Brutverhalten

Die wenigen norddeutschen Brutvögel benötigen offene, feuchte und kurzrasige Landschaften. Typische Lebensräume sind beweidete Salzwiesen und feuchte Küstenwiesen mit Prielen, flachen Wasserstellen und schlammigen Bereichen zur Nahrungssuche. Gleichzeitig müssen etwas trockenere, von Grasbüscheln geschützte Stellen für die Nestanlage vorhanden sein. Der Verlust solcher kleinteiligen Lebensräume durch Entwässerung, Nutzungsänderungen und das Zuwachsen ehemals offener Flächen gehört zu den wesentlichen Ursachen des Bestandsrückgangs.

Im Frühjahr besetzt das Männchen ein Revier und macht mit charakteristischen Balzflügen und trillernden Rufen auf sich aufmerksam. Das Nest liegt gut verborgen direkt am Boden und besteht lediglich aus einer kleinen Mulde, die mit Gräsern und anderem Pflanzenmaterial ausgepolstert wird. Ein Gelege umfasst normalerweise drei bis vier, meist vier Eier. Beide Elternteile beteiligen sich an der etwa 20 bis 22 Tage dauernden Brut.

Die Jungen sind typische Nestflüchter: Sie sind beim Schlupf bereits mit Daunen bedeckt, können laufen und verlassen das Nest sehr bald. Die Eltern führen und verteidigen die Jungvögel, die ihre Nahrung von Anfang an weitgehend selbst aufnehmen. Nach ungefähr drei Wochen sind sie flugfähig. Erstaunlicherweise treten viele Jungvögel ihren ersten Zug nach Süden ohne ihre Eltern an – das Zugverhalten ist ihnen angeboren.

Prachtkleid, Schlichtkleid und Jugendkleid

Das Erscheinungsbild des Alpenstrandläufers verändert sich im Jahresverlauf deutlich. Am auffälligsten ist das Pracht- oder Brutkleid im Frühjahr und Sommer. Rücken und Schulterfedern zeigen dann ein lebhaftes Muster aus Rostbraun, Schwarz und hellen Säumen. Brust und Hals sind dunkel gestrichelt, während sich auf dem weißen Bauch ein großer, nahezu geschlossener schwarzer Bauchfleck befindet. Dieses Merkmal macht einen ausgewachsenen Alpenstrandläufer im vollständigen Prachtkleid nahezu unverwechselbar. Beine und Schnabel sind schwarz; der relativ lange Schnabel ist an seiner Spitze leicht nach unten gebogen.

Im Schlicht- oder Winterkleid wirkt derselbe Vogel wesentlich unscheinbarer. Die kräftigen Rosttöne und der schwarze Bauchfleck verschwinden. Kopf, Nacken, Rücken und Flügel sind überwiegend grau bis graubraun, die Unterseite ist weißlich. Die Brust kann leicht grau verwaschen oder fein gestrichelt sein. Der lange, leicht abwärts gebogene dunkle Schnabel bleibt deshalb ein wichtiges Erkennungsmerkmal.

Das Jugendkleid ist wiederum deutlich wärmer gefärbt. Junge Alpenstrandläufer besitzen einen braunen bis rostbraunen Kopf und auffällig gemusterte Rücken- und Flügelfedern mit hellen, beigefarbenen Säumen. Dadurch wirkt die Oberseite beinahe schuppenartig gezeichnet. Die Unterseite ist überwiegend hell, zeigt aber besonders an Brust, Flanken und Bauch dunkle Flecken. Bei manchen Jungvögeln können diese Flecken bereits an den schwarzen Bauchbereich der Altvögel erinnern.

Während der Mauser im Frühjahr und Herbst sind außerdem Übergangskleider zu beobachten. Dann stehen graue Winterfedern neben frisch gewachsenen rostbraunen Federn oder der schwarze Bauchfleck ist erst teilweise ausgebildet. Männchen und Weibchen unterscheiden sich farblich kaum voneinander; Weibchen besitzen durchschnittlich einen etwas längeren Schnabel.

So entsteht beim Alpenstrandläufer ein bemerkenswerter Gegensatz: Als Zugvogel gehört er an Nord- und Ostsee zu den charakteristischen und teilweise massenhaft auftretenden Küstenvögeln – als norddeutscher Brutvogel ist er dagegen zu einer außerordentlichen Seltenheit geworden.

Foto: KI-Generiert - Alpenstrandläufer

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