Pressemitteilung 4.9.2016

Seeadlerschutz Schlei e.V. erstattet erneut Anzeige gegen Windparkbetreiber in Loose wegen wiederholter Verstöße gegen die Genehmigungsauflagen

Unser Verein hat am heutigen Tage erneut Anzeige gegen die B√ľrgerenergiepark Schlei-Ostsee Betriebs GmbH & Co. KG bei der Unteren Naturschutzbeh√∂rde (UNB) des Kreises Rendsburg-Eckernf√∂rde erstattet. Grund ist der wiederholte Versto√ü gegen die Genehmigungsauflagen, speziell gegen die Artenschutzbestimmungen. Demnach Versto√üen die Betreiber gegen die Betriebsbeschr√§nkungen, die unter 2.5.1ff ihrer Genehmigung f√ľr jede einzelne der vier Windkraftanlagen deutlich formuliert sind.

(Bescheid Az. LLUR 7512/7517 ‚Äď G20/2014/044 + 045 + 046 + 047)

Hier ist klar geregelt, dass bei bestimmten Witterungsbedingungen in der Zeit von einer Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang, aufgrund des Fledermausschutzes abgeschaltet werden muss. Diese Witterungsvoraussetzungen waren an mehreren Tagen gegeben:

  • Windgeschwindigkeit in Gondelh√∂he weniger als 6m / s
  • Niederschlagsfreiheit
  • Lufttemperatur h√∂her als 10 Grad

W√§hrend sich der Betreiber der Windkraftanlage der benachbarten Ilewind GmbH & Co. KG durch ein installiertes Warnsystem mit automatisierter Abschaltelektronik stets an diese auch f√ľr seine Anlage geltende Bestimmung h√§lt, ignorieren die Betreiber der anderen vier WKA dies skrupellos und lassen ihre Anlagen so zu M√∂rdermaschinen werden. Mit dieser Missachtung der Genehmigungsauflagen zeigen die Betreiber erneut, dass ihnen der Artenschutz v√∂llig egal ist.

Ob ein heruntergerissener, besetzter Nistkasten, √ľberfahrene Amphibien, zerst√∂rte Nester stark gesch√ľtzter Vogelarten, St√∂rungen in der Brut- und Setzzeit, Arbeiten trotz des verh√§ngten Baustopps immer und immer wieder ‚Äď die Liste der Verst√∂√üe ist lang.

Die Auflage zum Schutze der Flederm√§use gilt in der Zeit vom 15. Mai bis zum 30. September eines jeden Jahres. Die in dieser Zeit besonders aktiven Flederm√§use sind durch die Windkraftanlagen unter den oben aufgef√ľhrten Witterungsbedingungen signifikant gef√§hrdet und sterben direkt an den Anlagen durch Erschlagen an den Rotorbl√§ttern oder durch das sogenannte Barotrauma einen qualvollen Tod. Letzteres ist bedingt durch Verwirbelungen. Durch den folgenden Druckabfall hinter den Rotorbl√§ttern zerplatzen den Flugk√ľnstlern die Lungen und weitere innere Organe.

Zun√§chst ging in der vergangenen Woche, wie durch die Betreiber angek√ľndigt, die WKA 3 ans Netz. Nun folgte die WKA 2. Mit beiden Anlagen versto√üen die Betreiber gegen die beschriebenen Betriebsbeschr√§nkungen und somit gegen ¬ß 44 (1) BNatSchG. Folglich m√ľssen wir davon ausgehen, dass auch mit den Anlagen 4 und 5 gegen die Auflagen versto√üen wird, sobald diese ans Netz gehen.

Wir gehen davon aus, dass die UNB unsere Anzeige umgehend an die zuständige Genehmigungsbehörde, das LLUR in Flintbek, weiterleitet und dass umgehend die Protokolle aus den Anlagen der Windparkbetreiber angefordert werden.

Nach Meinung des Seeadlerschutz Schlei e.V. h√§tte das LLUR die Aufgabe gehabt, dass Einhalten ihrer eigenen Betriebsbeschr√§nkungen zu √ľberpr√ľfen, anstatt zum wiederholten Male darauf zu hoffen, dass die Betreiber nicht wieder die viel zu geringen Strafen einkalkulieren, weil es so f√ľr sie wirtschaftlicher ist. Der normale B√ľrger hat in der Regel gar keine M√∂glichkeit, sich ein Wissen √ľber die Bestimmungen anzueignen, geschweige denn, diese Bestimmungen zu √ľberpr√ľfen. Hierf√ľr ist die Genehmigungsbeh√∂rde zust√§ndig.

F√ľr unseren Verein ist dieses Vergehen ein ganz klarer Versto√ü gegen das T√∂tungsverbot.

Wir erwarten von den zuständigen Behörden eine konsequente Verfolgung und eine Bestrafung, die zum einen dem sich illegal verschafften wirtschaftlichen Vorteil angepasst ist und zum zweiten endlich ein deutliches Zeichen setzt, dass sich derartige Verstöße nicht lohnen.