Waldbegehung am 3. Dezember 2016

 

Bei herrlichem Wetter trafen sich um 9 Uhr 13 Mitglieder unseres Vereins in Barkelsby, um sich zunächst die neuen Erfassungsbögen des Vereins durch Christian Cornelius erklären zu lassen.

 

An sich war f√ľr diesen Tag die Z√§hlung und Kartierung von mindestens 10 Ansitzen geplant.

Allerdings war f√ľr diesen Tag in mehreren Bezirken die gro√üe Jagd auf Damwild angesetzt, mit der es wenig Sinn machte, zu kollidieren.

Zum Wochenbeginn wurde ein verendeter juveniler Seeadler aufgefunden, der mit Erstverdacht Vogelgrippe zur weiteren Untersuchung nach Berlin geschickt wurde.

Der Fundort war der Rand eines Waldes, in welchem sich einer unserer Seeadlerhorste befindet. Aufgrund dieses Horstes ist der Wald f√ľr die √Ėffentlichkeit gesperrt.

 

Der verendete Seeadler stammte offen sichtlich nicht aus diesem Horst, da er nicht beringt war und der Nachwuchs des Seeadlerpaares beringt wurde.

 

Wir entschlossen uns schlie√ülich bereits zum Wochenbeginn, dass wir an diesem Sonnabend einige Waldgebiete abgehen wollen, um speziell im Unterholz nach m√∂glichen weiteren verendeten Seeadlern, Bussarden etc. zu suchen. F√ľr das Gebiet des Fundortes und einen weiteren gesperrten Wald, baten wir die Untere Naturschutzbeh√∂rde des Kreises RD-ECK, unserem Verein eine Ausnahmegenehmigung zum Betreten zu erteilen.

 

Die Beh√∂rde erteilte uns am Freitag die Genehmigung, dass wir zur Erfassung der Seeadlerpopulation die gesperrten W√§lder betreten d√ľrfen.

Als Begr√ľndung wird die Erforderlichkeit der Erfassung aufgrund der durch H5N8 gef√§hrdeten Wildvogelpopulation angef√ľhrt. Des Weiteren wird darauf hingewiesen, dass der Seeadlerschutz Schlei e.V. als ehrenamtlicher Naturschutz zu unterst√ľtzen sei.

Die Untere Naturschutzbehörde kann Ausnahmegenehmigungen erteilen und sieht diese Maßnahme als zulässig und erforderlich an.

 

Den zust√§ndigen Ordnungsamtsleiter vom Amt Schlei-Ostsee haben wir telefonisch informiert, dass wir W√§lder abgehen werden und er sagte uns zu, dass er am heutigen Tage √ľber das Notfallhandy erreichbar sei, falls wir verendete Individuen f√§nden.

 

W√§hrend der Woche hatten wir bereits mehrere Waldst√ľcke bei Damp und Rieseby durchsucht.

 

Nach unserer Vorbesprechung in Barkelsby und der dazugeh√∂rigen Einweisung √ľber das Verhalten im Wald, fuhren wir heute nun mit unserer Gruppe zu dem Waldst√ľck, wo der Adler gefunden wurde.

 

Zur besseren Erkennung und damit kein Jäger uns evtl. mit Wild verwechseln könnte, trugen wir Warnwesten. Es wurde durch den Vorsitzenden deutlich gemacht, dass das Betreten dieses Waldes nur in vorheriger Absprache zu verabredeten Zeiten in dem durch die Untere Naturschutzbehörde genehmigten Zeitraum geschehen darf. Kein Mitglied des Vereins darf eigenmächtig die gesperrten Bereiche betreten.

 

Am Ende eines Feldweges kurz vor dem Wald erblickten wir einen PKW. Auf einer Rapsanbaufläche ging ein älterer Herr mit einem Hund spazieren.

Der Herr kam auf uns zu und fragte freundlich, was dies f√ľr ein Ausflug sei.

Wir stellten uns als Mitglieder des Vereins Seeadlerschutz Schlei vor und erkl√§rten ihm unser Anliegen. Auf Nachfrage erkl√§rte er uns, dass er der Prinz zu Schleswig-Holstein sei und ihm das Land sowie der Wald geh√∂re. Es folgte ein sehr freundliches Gespr√§ch. Im Laufe des Gespr√§ches wurde ihm die Genehmigung der UNB gezeigt, die er sich durchlies. Der Prinz zeigte sich etwas ver√§rgert dar√ľber, dass er √ľber unsere Aktion nicht informiert worden sei. Der Vorsitzende r√§umte ein, dass dies tats√§chlich h√§tte geschehen k√∂nnen, die Zeit zwischen Genehmigung (Freitag gegen Mittag) und heute fr√ľh allerdings sehr knapp gewesen sei und er selbst tats√§chlich nicht daran gedacht hatte. Beide vereinbarten zuk√ľnftige Absprachen. Hierf√ľr tauschte man Handynummern aus. Einig war man sich √ľber den Schutz der Seeadler. Uneinig war man sich dar√ľber, ob die 400 Singschw√§ne am Waldrand ‚Äědie Pest‚Äú oder vielmehr eine sehr sch√ľtzenswerte Vogelart seien. Zum Ende des Gespr√§ches w√ľnschte seine Hoheit uns allen einen angenehmen Ausflug. Die Mitglieder waren sehr erfreut √ľber diese Konversation, denn zum einen hatte niemand vorab das Vergn√ľgen gehabt, den Prinzen einmal pers√∂nlich zu sprechen und zum anderen machte dieser auf alle einen sympathischen Eindruck.

 

Wir betraten nun den Wald und durchsuchten diesen in einer Kette speziell im Unterholz, wohin sich evtl. vergiftete Seeadler zur√ľckgezogen haben k√∂nnten.

 

Als wir den etwa 250m breiten Wald zur Hälfte abgegangen waren, erdröhnte ein lautes Hupen, welchem lautes Geschrei folgte.

 

Ein Mann ging laut rufend auf unser Mitglied Bernd Hesse los und fragte den immerhin weit √ľber 70j√§hrigen Mann nach seinem Ausweis. Dieser entgegnete ihm, dass er sich doch vielleicht erst einmal ausweisen solle, da er gar nicht w√ľsste, mit wem er es √ľberhaupt zu tun habe. Er fragte nach dem Verantwortlichen der Aktion. Bernd Hesse sagte, dass dies Herr Dreves sei und dieser weiter vorne ginge. Der Mann forderte ihn auf, Herrn Dreves zu rufen. Dies wies unser Mitglied ab, da der Prinz uns aufgefordert habe, uns im Wald bitte ruhig zu verhalten.

 

Der Mann st√ľrmte nach vorne und rief dabei immer wieder laut, dass alle Personen umgehend stehen zu bleiben h√§tten. Ein Wassergraben trennte ihn nun vom Vorsitzenden des Vereins. In einem frevelhaften Ton forderte er nun dazu auf, ihm umgehend die Genehmigung zu zeigen. Es stellte sich heraus, dass es der F√∂rster des Waldes war, der zuvor vom Prinzen informiert worden war. Herr Dreves stellte klar, dass er dem Eigent√ľmer die Genehmigung des Betretens gezeigt hat und er sich vom F√∂rster einen anderen Ton w√ľnsche. Dieser entgegnete, er sei hoheitlich beauftragt und √§nderte seinen Tonfall keinesfalls. Der Vorsitzende gab ihm zu verstehen, dass er sich diesen Jargon nicht gefallen lie√üe und setzte seine¬†T√§tigkeit im Wald fort.

Der F√∂rster rief, dass dies der ‚ÄěSupergau‚Äú sei und alles ein Nachspiel habe.

 

Der F√∂rster, Herr Wendroth, f√ľhrte dann ein Gespr√§ch mit einem weiteren Mitglied des Vereins, welches auf einer freundlichen Ebene stattfand.

 

Nachdem wir den gesamten Wald abgesucht hatten und GOTT SEI DANK keine weiteren verendeten Seeadler oder andere Greifv√∂gel fanden, gingen wir zu unseren Autos zur√ľck.

 

Erneut kam Herr Wendroth herangefahren und ging auf den Vereinsvorsitzenden zu. In einem ruhigen Ton forderte er ihn auf, ihm die Genehmigung zu zeigen und drohte ansonsten die Polizei zu rufen. Herr Dreves zeigte sich erfreut, dass man nun zur √ľblichen freundlichen Tonart √ľberging und zeigte ihm selbstverst√§ndlich die Genehmigungsunterlagen.

 

Während des weiteren Gespräches rief Herr Kinza vom Amt Schlei-Ostsee an und erkundigte sich nach dem Stand der Dinge, da Herr Wendroth ihn angerufen habe. Frank Dreves erklärte ihm, dass mittlerweile sowohl mit seiner Hoheit persönlich wie auch mit dessen Mitarbeiter alles geklärt sei und beiden die Genehmigung vorgezeigt wurde. Des Weiteren sei mit dem Prinzen vereinbart worden, dass aufgrund einer am 13. Dezember stattfindenden Jagd im betroffenen Gebiet bis dahin auf eine weitere Begehung durch unseren Verein verzichtet wird, damit das Damwild nicht gestört wird. Herr Kinza betonte, dass es doch schade sei, wenn die gute Absicht des Seeadlerschutzes auf diese Art und Weise unter die Räder käme. Der Vorsitzende bot ein gemeinsames Gespräch im Amt zwischen Herrn Kinza, Herrn Wendroth und ihm an.

 

Herr Wendroth erklärte der versammelten Mannschaft, dass er seit 30 Jahren im Seeadlerschutz tätig sei und seiner Meinung nach unsere Aktion kontraproduktiv sei.

Er erkl√§rte weiter, dass es die Projektgruppe Seeadlerschutz in Schleswig-Holstein g√§be und er selbst Horstbeauftragter sei. Herr Dreves machte deutlich, dass es doch dann umso sinnvoller w√§re, wenn beide Vereine an einem Strang ziehen w√ľrden. Durch die gro√üe Anzahl der Vereinsmitglieder des Seeadlerschutz Schlei e.V. k√∂nne es beispielsweise gelingen, die Horste der Region in der sensiblen Zeit rund um die Uhr zu bewachen. Herr Wendroth machte deutlich, dass dies von der Projektgruppe nicht gew√ľnscht sei. Es sei sowieso nicht mehr erw√ľnscht, dass die Horstpl√§tze bewacht werden und es w√ľrden auch keine Schutzgebiete mehr ausgewiesen, da die Erfolgsgeschichte so derma√üen gut verlaufen sei, dass man nun genug Seeadler habe.

Es wurde immer deutlicher, um was es hier √ľberhaupt ging!

Es ging hier weder um Damwild, welches durch uns gest√∂rt werden k√∂nne (√ľbrigens wurde ein St√ľck Damwild und ein Feldhase von uns aufgescheucht), noch ging es um den Seeadler!

Es ging hier um verletzte Eitelkeit! Der F√∂rster ist nicht informiert worden, dass sein Wald betreten wird. Gut, dies haben wir ja nun gekl√§rt und dies wird nicht wieder vorkommen. Aber dieser Wald wurde nun nicht von irgendjemandem betreten, sondern vom Seeadlerschutz Schlei e.V.! Warum beginnt man nun diesen Grabenkampf? Ein Ziel ‚Äď zwei Gruppen! Die eine Gruppe existiert 30 Jahre und erkennt, zumindest muss man dies den Worten des Herrn Wendroth entnehmen, die gerade erst im Mai 2016 gegr√ľndete Gruppe nicht an. Warum eigentlich nicht? Bislang gab es zwischen der Projektgruppe Seeadlerschutz S-H und unserem Verein keine Probleme! Im Gegenteil, zugesandte Fotos hiesiger Seeadler wurden durch Herrn Struwe-Juhl, dem Vorsitzenden der Projektgruppe, stets ausgewertet. Nie ein b√∂ses Wort und erst recht keine Neiddebatte! Warum nun also dieses Gegeneinander? Nun, gut, Herr Wendroth ist schlie√ülich auch nur ein Horstbetreuer von vielen und sicherlich nicht das Sprachrohr der Projektgruppe Seeadlerschutz, von daher sind seine Aussagen sicherlich nicht √ľber zu bewerten und es wird diesbez√ľglich ein kl√§rendes Gespr√§ch zwischen der Projektgruppe und unserem Verein geben.

Das eigentliche Problem stellte sich erst ganz zum Schluss und zwischen den Zeilen heraus:

Es geht um Windkraft JA oder Windkraft NEIN! Unserem Verein wird speziell von einem weiteren Mitarbeiter des Prinzen unterstellt, wir h√§tten den Seeadlerverein nur gegr√ľndet, um Windkraftanlagen zu verhindern! Und offen sichtlich ist auch Herrn Wendroth dieser Meinung.

Als Frank Dreves ihm erkl√§rte, dass der gefundene Seeadler evtl. auch an einer Vergiftung durch Fremdeinwirkung verendet sei und nur 1,5km entfernt ein Windpark geplant ist, welcher bislang aufgrund genau dieses Seeadlerhorstes, der sich in diesem Wald befindet, nicht genehmigt wurde, f√ľhlte Herr Wendroth sich umgehend best√§tigt.

Was ist anr√ľchig daran, wenn man allen M√∂glichkeiten nachgeht? Schlie√ülich ist es doch auff√§llig, dass h√§ufig dort, wo Seeadler bestimmten Bauvorhaben im Wege stehen, vergiftete Individuen aufgefunden werden oder die B√§ume mit den pr√§chtigen Horsten mal eben nachts illegal abges√§gt werden. Der hier aufgefundene Seeadler wurde zur weiteren Untersuchung nach Berlin geschickt, ein endg√ľltiges Ergebnis steht noch aus. Sollte der Adler durch eine illegale Vergiftung verendet sein, besteht gro√üe Gefahr f√ľr die hiesige Seeadlerpopulation, da dann viele weitere Tiere davon betroffen sein k√∂nnten. So bleibt schon fast die Hoffnung, dass es ‚ÄěNUR‚Äú die Vogelgrippe war!

Selbstverst√§ndlich m√∂chte unser Verein niemandem unterstellen, dass er Seeadler vergiftet, weil er auf seinem Grund und Boden Windkraftanlagen plant. Gro√üe Fl√§chen des Besitzes des Prinzen zu Schleswig-Holstein sind in der ab dem 7. Dezember ver√∂ffentlichten Karte zur Regionalplanung auf der Halbinsel Schwansen als Windvorrangfl√§chen ausgewiesen. Dazu geh√∂ren beispielsweise Fl√§chen in D√∂rphof und Damp. Seine Hoheit selbst hat den verendeten Seeadler gemeldet, wozu er nicht nur verpflichtet ist, sondern was wir auch hoch anst√§ndig von ihm finden. ABER: Leider gibt es immer wieder Menschen, die aus niederen Beweggr√ľnden Giftk√∂der auslegen! Der Schutz des deutschen Wappentieres ist unserer Meinung nach also etwas vielseitiger, als er vielleicht von Herrn Wendroth und anderen gesehen wird.

Wir w√ľrden uns freuen, wenn alle, denen das Wohl unserer Tierwelt und unserer Landschaft am Herzen liegt, an einem Strang ziehen w√ľrden. Hierbei kommt es nicht unbedingt auf Sympathie an, sondern dass man sich f√ľr jene einsetzt, die eben keine f√ľr uns verst√§ndliche Stimme haben, um sich zu wehren.

Seeadlerschutz ist und bleibt notwendig und wir wollen gern von den Erfahrenen lernen.

Gegenseitiger Respekt ist hierf√ľr die Voraussetzung!

Der F√∂rster des Prinzen hat angek√ľndigt, sich am Montag an den Landrat des Kreises zu wenden und zu erwirken, dass wir nie wieder seinen Wald betreten d√ľrfen. Er wird versuchen darauf Einfluss zu nehmen, dass der zust√§ndige Sachbearbeiter der Unteren Naturschutzbeh√∂rde ermahnt wird, weil dieser seiner Ansicht nach zu Unrecht eine Ausnahmegenehmigung an uns erteilt hat.

Wir m√∂chten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir ein anerkannter, eingetragener und gemeinn√ľtziger Verein sind, dessen fast 50 Mitglieder in vielen Wochenstunden ehrenamtlich zum Schutze von Seeadler und Co. arbeiten. Wir pflegen eine enge Zusammenarbeit mit weiteren Naturschutzvereinen der Region und genie√üen eine hohe Anerkennung in der Bev√∂lkerung. Uns ist der Status der Menschen die bei uns mitwirken egal. Vom einfachen Arbeiter, √ľber Gutsbesitzer, B√ľrgermeister und Gemeindevertreter bis hin zum Professor kann unser Verein kaum eine gr√∂√üere Bandbreite bieten. Seien Sie versichert, dass unser Vorstand ebenso wie die einzelnen Mitglieder immer nach bestem Wissen und vor allem Gewissen handelt.