Hinweise gab es genügend, dass in unmittelbarer Nähe des neuen Windindustriegebietes in der Gemeinde Owschlag (Hüttener Berge / Kreis RD-ECK) seit Jahren Seeadler, Rotmilane, Kraniche, Weißstörche und weitere windkraftsensible Vogelarten brüten. Da helfen auch nicht immer die entsprechenden Gutachten – ein solches Projekt bleibt risikobehaftet. Der Seeadlerschutz Schlei e.V. begleitet seit mehreren Jahren das Seeadler-Revierpaar in Owschlag – seit vergangenem Jahr regelmäßig mit einem professionellen Beobachtungswagen. Die Brutsaison 2025 war nicht erfolgreich, aus unbekannten Gründen brach das Seeadlerpaar den Brutvorgang ab.
Die Sehestedter Windindustriefirma Denker & Wulf AG ging es auch in der Gemeinde Owschlag vorbildlich an, bevor sie die Zustimmung zu ihrem Windindustriegebiet sowie riesigen PV-Flächen bekam: Sie spendete ein paar tausend Euro an die Tafel der Gemeinde – das kommt immer gut an! Auch in Holtsee (ebenfalls Hüttener Berge / RD-ECK) kann man der Aktiengesellschaft kein mangelndes Dorfinteresse vorwerfen: Dörpsmobil, Fußballtrikots u.v.m., alles gesponsert by Denker & Wulf.
So dicht an einer geplanten Windindustrieanlage gibt es keinen zweiten Seeadlerhorst in Schleswig-Holstein
Das Seeadlerpaar in Owschlag zog nun in ihren Ausweichhorst um und brütet ca. 120m von der Rotorspitze einer Windindustrieanlage der Denker & Wulf AG, dessen Fundament in Kürze errichtet werden sollte. Die Zuwegung sowie die Kranstellfläche waren bereits errichtet, als die Seeadler mit ihrer Brut begannen. Die NORDEX-Anlagen der Delta4000-Serie sind längst bestellt und quasi auf dem Weg nach Owschlag. Nun ist Baustopp und damit nicht die beste Stimmung in Sehestedt am Nord-Ostsee-Kanal sowie bei der Amtsführung des Amtes Hüttener Berge. Denker & Wulf lässt die Seeadler und Kraniche jetzt von der Firma Bioconsult SH GmbH & Co.KG aus Husum beobachten und die weitere Entwicklung begutachten. Das kaufmännische Risiko war den Projektierern durch aus bewusst, denn die vielen Eingaben der Bevölkerung brachten eindeutige Hinweise auf das Vorkommen der windkraftsensiblen Arten.
Kritik an Signifikanzbewertung
Aus Sicht des Seeadlerschutz Schlei e.V. hätte die artenschutzrechliche Signifikanzbewertung bei der Genehmigungsprüfung der Windindustrieanlagen in Owschlag zu dem Ergebnis kommen müssen, dass es hier zu einer signifikanten Gefährdung von Seeadler und Co. kommen würde und deshalb mit Rücksicht auf das Tötungsverbot nach Bundesnaturschutzgesetz keine Genehmigung erteilt werden darf. Wer nach dieser Auffassung des Artenschutzvereins nun für das Dilemma verantwortlich ist, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Ob der Schwarze Peter Bioconsult zugeschoben werden soll, ist zunächst noch unklar. Dort finden sich alte Bekannte, wie beispielsweise Thomas Grünkorn wieder, welcher landesweit seit Jahrzehnten Seeadlernestlinge für die Wissenschaft ringkennzeichnet. „Ich hoffe, dass Thomas Grünkorn durch seine gleichzeitige Tätigkeit für Bioconsult sowie für den landesweiten Seeadlerschutz in keinen Interessenkonflikt gerät und die eindeutige Sachlage ebenso eindeutig durch Bioconsult bewertet wird, ohne dass der Anschein eines Gefälligkeitsgutachtens entsteht“, erklärt Frank Dreves, Vorsitzender des Seeadlerschutz Schlei e.V.
Bioconsult SH hat nach eigenen Angaben für über 400 Windindustrieprojekte in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern artenschutzfachliche Gutachten erstellt.
Antikollisionssystem wird kritisiert
Denker & Wulf plant zur Vermeidung von Kollisionen von Großvögeln mit ihren Windindustrieanlagen in Owschlag den Einsatz des Antikollisionssystems „AVES Wind Onshore“. Das nun eingesetzte Gutachterbüro Bioconsult SH hat dieses KI-gestützte System mit entwickelt und verdient daran mit. In Bezug auf den Seeadlerschutz wird das System kritisiert, da Seeadler beim so genannten Hassen (ornith. für vertreiben/verjagen) durch Krähen und Kolkraben aus deren Revier Geschwindigkeiten und Strecken zurücklegen, bei denen selbst die beste KI es nicht schafft, riesige Industrieanlagen in der benötigten Zeit zum Halten zu bringen. Abgesehen davon, könne nach Ansicht des Seeadlerschutz Schlei e.V. keine Windindustrieanlage wirtschaftlich betrieben werden, wenn sie aufgrund einer Nachbarschaft von 120m zu einem aktiven Seeadlerhorst mehr stehen als laufen würde.
Der Seeadlerschutz Schlei e.V. erwartet, dass das Windindustrievorhaben im 2km-Schutzbereich um den Seeadlerhorst komplett gestoppt wird und auch dauerhaft gestoppt bleibt. Die Denker & Wulf AG war sich von Baubeginn an, des kaufmännischen Risikos bewusst und kann sich jetzt nicht darauf berufen, eine Genehmigung erhalten zu haben. Angesichts der jüngsten Ankündigung der Landesregierung, den Ausbau der Windindustrie mit Rücksicht auf den Artenschutz voran treiben zu wollen, erwarten wir, dass diesen vielversprechenden Worten nun auch die entsprechenden Taten folgen. „Eine Ausnahme zum Tötungsverbot darf es in Owschlag nicht geben“, so der Vorsitzende des Vereins.
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Seeadler über geplanter Windindustriefläche gehasst - Foto Frank Dreves
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Seeadler und Rotmilan in Horstnähe in Owschlag - Foto Frank Dreves
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Seeadler über geplanter Windindustriefläche - Foto Frank Dreves
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Seeadlerpaar in Owschlag - Foto Frank Dreves
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Brutwechsel in Owschlag - Foto Frank Dreves
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Baustopp in Owschlag
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Baustopp in Owschlag
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Brütender Seeadler in Owschlag
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Brutwechsel in Owschlag - Foto Frank Dreves
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Baustopp bei Denker und Wulf
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Seeadler in Owschlag - Foto Frank Dreves
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