Alpenstrandläufer (Calidris alpina)
– kleiner Watvogel mit eindrucksvollem Vogelzug
Der Alpenstrandläufer zählt zu den bekanntesten kleinen Watvögeln der norddeutschen Küsten. Vor allem im Wattenmeer kann er während des Vogelzuges in sehr großen Schwärmen beobachtet werden. Auch an der Ostseeküste, in flachen Buchten, Lagunen, Bodden und auf schlammigen Uferflächen tritt er regelmäßig auf.
Mit einer Körperlänge von etwa 16 bis 22 Zentimetern gehört der Alpenstrandläufer zu den kleineren Limikolen. Typisch sind der mittellange, leicht nach unten gebogene Schnabel und die dunklen Beine.
Vorkommen in Norddeutschland
In Norddeutschland spielt besonders das Wattenmeer eine herausragende Rolle für den Alpenstrandläufer. Während des Frühjahrs- und Herbstzuges rasten dort große Bestände, die ihre Brutgebiete in Nordeuropa, Russland und anderen arktischen Regionen haben.
Auch an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns ist die Art regelmäßig zu beobachten. Dort nutzt sie unter anderem flache Küstengewässer, Schlickflächen, Salzgrasland und andere offene Uferbereiche zur Nahrungssuche.
Im Binnenland erscheint der Alpenstrandläufer vor allem während der Zugzeiten. Geeignet sind flache Gewässer mit Schlammflächen, überschwemmte Wiesen, Teiche und ähnliche offene Feuchtgebiete.
Als Brutvogel ist die Art in Norddeutschland dagegen sehr selten geworden.
Geschätzter Bestand
Während des Vogelzuges können in Norddeutschland sehr große Zahlen erreicht werden. Im gesamten Wattenmeer halten sich im Jahresverlauf weit über eine Million Alpenstrandläufer auf. Zu bestimmten Zeiten können allein auf deutscher Seite mehrere hunderttausend Vögel gleichzeitig rasten.
Diese großen Zahlen dürfen jedoch nicht mit dem norddeutschen Brutbestand verwechselt werden.
In Schleswig-Holstein brüten nur noch wenige Paare. Auch in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern existieren lediglich kleine Restbestände. Der Alpenstrandläufer gehört damit als Brutvogel zu den seltensten Watvögeln Norddeutschlands.
Besonders betroffen ist die Unterart Calidris alpina schinzii, die in den gemäßigten Küstenregionen Nord- und Westeuropas brütet. Ihre Bestände sind in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen.
Brutverhalten
Die Brutplätze liegen bevorzugt in offenen, feuchten Landschaften mit niedriger Vegetation. Dazu gehören Salzwiesen, feuchte Küstenwiesen und andere kurzrasige Flächen in Küstennähe.
Das Nest befindet sich direkt am Boden. Meist handelt es sich um eine kleine Mulde zwischen Grasbüscheln oder niedriger Vegetation. Sie wird nur sparsam mit trockenem Pflanzenmaterial ausgelegt.
Ein Gelege besteht gewöhnlich aus vier Eiern. Die Eier sind bräunlich bis oliv gefärbt und mit dunkleren Flecken versehen. Dadurch sind sie zwischen Gras und Bodenmaterial gut getarnt.
Beide Eltern beteiligen sich am Brutgeschäft. Nach ungefähr drei Wochen schlüpfen die Jungen.
Die Küken sind Nestflüchter. Sie können bereits kurz nach dem Schlupf laufen und beginnen selbstständig nach Nahrung zu suchen. Die Eltern führen und bewachen die Jungen, füttern sie aber nicht dauerhaft wie etwa der Austernfischer.
Nach etwa drei Wochen sind die Jungvögel flugfähig.
Prachtkleid
Im Pracht- oder Brutkleid ist der Alpenstrandläufer besonders auffällig.
Die Oberseite zeigt eine Mischung aus Schwarz, Rostbraun, Braun und hellen Federsäumen. Dadurch entsteht ein lebhaft gemustertes Rückengefieder.
Das auffälligste Merkmal ist der große schwarze Fleck auf der Bauchmitte. Dieser sogenannte Bauchfleck ist im vollständigen Prachtkleid deutlich ausgeprägt und erleichtert die Bestimmung erheblich.
Brust und Hals sind fein dunkel gestrichelt. Die Unterseite bleibt ansonsten überwiegend hell.
Der Schnabel ist dunkel, relativ lang und an der Spitze leicht nach unten gebogen. Die Beine sind ebenfalls dunkel.
Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich. Weibchen besitzen im Durchschnitt einen etwas längeren Schnabel.
Schlichtkleid
Im Herbst und Winter wirkt der Alpenstrandläufer wesentlich unauffälliger.
Die rostbraunen und schwarzen Zeichnungen des Rückens verschwinden weitgehend. Kopf, Rücken und Flügel erscheinen nun überwiegend grau bis graubraun.
Der große schwarze Bauchfleck fehlt vollständig.
Die Unterseite ist weißlich, die Brust kann leicht grau oder fein gestrichelt erscheinen.
Gerade im Schlichtkleid kann die Bestimmung schwieriger sein, weil mehrere kleine Watvogelarten ähnlich gefärbt sind. Ein wichtiges Merkmal bleibt der relativ lange, leicht gebogene Schnabel.
Jugendkleid
Junge Alpenstrandläufer besitzen ein wärmeres und stärker gemustertes Gefieder als Altvögel im Winterkleid.
Die Oberseite ist braun bis rostbraun gefärbt. Viele Federn besitzen helle Ränder, wodurch Rücken und Flügel fein geschuppt wirken.
Kopf und Brust zeigen ebenfalls bräunliche Zeichnungen. Auf Bauch und Flanken können dunkle Flecken auftreten.
Der große geschlossene Bauchfleck der erwachsenen Vögel im Prachtkleid fehlt jedoch.
Mit fortschreitender Mauser wird das Jugendgefieder nach und nach durch das unauffälligere erste Winterkleid ersetzt.
Nahrung und Lebensweise
Alpenstrandläufer suchen ihre Nahrung vor allem auf offenen Schlamm- und Wattflächen.
Mit ihrem Schnabel stochern sie im weichen Untergrund oder lesen kleine Beutetiere von der Oberfläche auf. Zur Nahrung gehören Würmer, kleine Krebstiere, Schnecken, Muscheln und verschiedene Insektenlarven.
Typisch ist die schnelle, beinahe hektische Nahrungssuche. Häufig ziehen größere Gruppen dicht nebeneinander über Watt- und Schlickflächen.
Während der Zugzeiten bilden Alpenstrandläufer große Schwärme. Bei Störungen steigen oft Tausende Vögel gleichzeitig auf und führen dicht geschlossene Flugmanöver aus.
Bedeutung Norddeutschlands
Für den Alpenstrandläufer besitzt Norddeutschland vor allem als Rast- und Nahrungsgebiet internationale Bedeutung.
Das Wattenmeer bietet während des Vogelzuges gewaltige Nahrungsmengen und ermöglicht den Vögeln, ihre Energiereserven für die langen Flugstrecken zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten aufzufüllen.
Gleichzeitig zeigt sich ein deutlicher Gegensatz: Während Alpenstrandläufer während des Zuges noch in sehr großen Schwärmen auftreten können, ist die Art als Brutvogel in Norddeutschland nur noch in sehr kleinen Restbeständen vertreten.
Der Erhalt von Salzwiesen, feuchten Küstenwiesen, Wattflächen und störungsarmen Brutgebieten ist deshalb sowohl für durchziehende als auch für brütende Alpenstrandläufer von großer Bedeutung.
