Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus)

Die Zwergschnepfe ist die kleinste europäische Schnepfenart und ein Meister der Tarnung. Sie lebt extrem versteckt in nassen Wiesen, Mooren und schlammigen Vegetationsbereichen. In Norddeutschland ist sie vor allem Durchzügler und Wintergast; als Brutvogel spielt sie hier keine regelmäßige Rolle.

Vorkommen in Norddeutschland

Die Brutgebiete liegen überwiegend im nördlichen Fennoskandien und in Russland. Im Herbst ziehen Zwergschnepfen ab September und Oktober nach Mittel- und Westeuropa.

In Norddeutschland rasten sie in Seggenrieden, nassen Wiesen, Mooren, Verlandungszonen, Gräben und an schlammigen Teichrändern.

Ein Teil überwintert in milden Wintern. Bei starkem Frost ziehen viele Vögel weiter nach Westen oder Süden.

Geschätzter Bestand

Ein regelmäßiger deutscher Brutbestand existiert nicht. Die Art wird daher vor allem anhand von Zug- und Winterbeobachtungen beurteilt.

Die tatsächliche Zahl rastender Zwergschnepfen ist schwer zu bestimmen, weil die Vögel tagsüber verborgen sitzen und häufig erst aus unmittelbarer Nähe auffliegen.

Beobachtungszahlen unterschätzen deshalb wahrscheinlich den tatsächlichen Bestand deutlich.

Brutverhalten

Gebrütet wird in offenen nassen Mooren, sumpfigen Flussauen und tundrenahen Feuchtgebieten.

Das Nest ist eine kleine Bodenmulde in niedriger Vegetation.

Das Gelege besteht meist aus vier Eiern. Die Brut dauert ungefähr 24 Tage.

Aufzucht der Jungen

Die Küken sind Nestflüchter und folgen dem Altvogel bald nach dem Schlupf.

Sie suchen früh selbst nach kleinen Wirbellosen.

Nach wenigen Wochen werden sie flugfähig und bereiten sich auf den Zug vor.

Aussehen

Die Zwergschnepfe ist nur etwa 18 bis 20 Zentimeter lang und damit deutlich kleiner als die Bekassine.

Der Schnabel ist relativ kurz und gerade. Die Oberseite ist dunkelbraun bis schwarz mit auffälligen goldgelben Längsstreifen.

Der Kopf zeigt zwei breite helle Scheitelstreifen, jedoch keinen hellen Mittelstreifen wie bei der Bekassine.

Pracht- und Brutkleid

Zwischen Brut- und Schlichtkleid bestehen nur geringe Unterschiede.

Frisches Gefieder kann kräftiger goldgelb und kontrastreicher wirken.

Schlichtkleid

Im Winter bleibt die Grundzeichnung erhalten. Das Gefieder wirkt etwas matter und graubrauner.

Die hellen Rückenstreifen bleiben gut sichtbar.

Jugendkleid

Jungvögel ähneln den Altvögeln stark. Feine Unterschiede in Federstruktur und Säumen sind im Feld nur schwer erkennbar.

Auch junge Zwergschnepfen besitzen bereits die typische dunkle Oberseite mit goldfarbenen Linien.

Nahrung und Nahrungssuche

Die Nahrung besteht aus Insektenlarven, Würmern, kleinen Schnecken, Krebstieren und anderen Wirbellosen.

Mit dem Schnabel stochern die Vögel in weichem Boden und Schlamm.

Typisch ist eine leicht wippende Körperbewegung während der Nahrungssuche.

Verhalten

Zwergschnepfen drücken sich bei Gefahr lange an den Boden und fliegen oft erst auf, wenn man ihnen sehr nahe kommt.

Der Abflug ist meist relativ niedrig und geradlinig, nicht so stark zickzackartig wie bei der Bekassine.

Nach kurzer Strecke landen sie häufig wieder in dichter Vegetation.

Bedeutung Norddeutschlands

Norddeutsche Feuchtgebiete sind wichtige Rast- und Überwinterungsräume.

Da die Art leicht übersehen wird, profitieren Zwergschnepfen besonders von großflächig nassen, störungsarmen Bereichen mit flacher Vegetation und weichem Boden.