Steinwälzer (Arenaria interpres)
Der Steinwälzer ist ein kompakter Watvogel mit kräftigem Schnabel und auffällig orangefarbenen Beinen. Seinen Namen verdankt er einer besonderen Nahrungssuche: Er dreht Steine, Muscheln und Treibgut um, um darunter versteckte Beutetiere zu finden. In Norddeutschland ist er regelmäßiger Durchzügler und Wintergast.
Vorkommen in Norddeutschland
Die Art brütet in arktischen und subarktischen Regionen Nordamerikas, Grönlands, Skandinaviens und Russlands. Die deutsche Küste wird während des Zuges und im Winter genutzt.
Besonders häufig findet man Steinwälzer an steinigen Küstenabschnitten, Buhnen, Molen, Hafenanlagen und Muschelbänken. Sie suchen aber auch im Watt und auf Spülsäumen nach Nahrung.
An der Ostseeküste tritt die Art ebenfalls regelmäßig auf, besonders an steinigen Ufern.
Geschätzter Bestand
Ein deutscher Brutbestand existiert nicht. Als Gastvogel ist der Steinwälzer an der Nordseeküste jedoch regelmäßig vertreten.
Für Niedersachsen werden bis zu etwa 2.100 rastende Vögel angegeben.
Die Zahl überwinternder Tiere ist geringer, kann an günstigen Küstenabschnitten aber über längere Zeit stabil bleiben.
Brutverhalten
Steinwälzer brüten in der arktischen Tundra und an steinigen Küsten. Das Nest liegt am Boden und ist häufig zwischen niedriger Vegetation oder Steinen verborgen.
Das Gelege besteht gewöhnlich aus vier Eiern.
Beide Partner beteiligen sich an der Brut. Die Brutdauer beträgt etwa 22 bis 24 Tage.
Aufzucht der Jungen
Die Küken sind Nestflüchter und suchen ihre Nahrung bald selbst.
Die Eltern bewachen und führen sie in der Umgebung des Brutplatzes.
Nach ungefähr drei bis vier Wochen werden die Jungen flugfähig.
Aussehen
Der Steinwälzer ist etwa 21 bis 24 Zentimeter lang. Er besitzt einen kurzen, kräftigen, leicht keilförmigen Schnabel.
Die Beine sind auffällig orange. Der Körper wirkt gedrungen, der Kopf relativ groß.
Im Flug zeigt die Art ein sehr kontrastreiches schwarz-weißes Muster auf Flügeln, Rücken und Schwanz.
Pracht- und Brutkleid
Im Brutkleid ist der Kopf auffällig schwarz-weiß gezeichnet. Der Rücken trägt kräftige rostbraune und schwarze Partien.
Das schwarze Brustfeld steht in starkem Kontrast zur weißen Unterseite.
Schlichtkleid
Im Winter werden die rostbraunen Farben durch dunkle Braun- und Grautöne ersetzt.
Die Zeichnung bleibt kontrastreich, wirkt aber insgesamt deutlich matter.
Jugendkleid
Jungvögel ähneln dem Schlichtkleid. Ihre Oberseite zeigt braune Federn mit hellen Säumen.
Die Kopfzeichnung ist weniger scharf ausgeprägt als bei adulten Vögeln.
Nahrung und Nahrungssuche
Zur Nahrung gehören Krebse, Muscheln, Schnecken, Würmer, Insekten, Aas und gelegentlich organische Abfälle.
Mit dem kräftigen Schnabel werden Steine, Muschelschalen, Tangstücke oder andere Gegenstände angehoben und umgedreht.
Diese spezialisierte Technik erschließt Nahrung, die für viele andere Watvögel verborgen bleibt.
Verhalten
Steinwälzer sind selbstbewusst und oft wenig scheu. An Hafenanlagen oder Molen können sie Menschen relativ nah herankommen lassen.
Außerhalb der Brutzeit leben sie häufig in kleinen Gruppen und verteidigen besonders gute Nahrungsplätze manchmal energisch.
Bedeutung Norddeutschlands
Norddeutsche Küsten bieten dem Steinwälzer ganzjährig Nahrung und Rastmöglichkeiten.
Steinige Küstenstrukturen, Molen und natürliche Muschelbänke sind dabei ebenso wichtig wie störungsarme Hochwasserrastplätze.
