Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula)
Der Sandregenpfeifer ist ein kleiner, kompakter Watvogel mit auffälligem schwarzem Brustband und orangefarbenen Beinen. In Norddeutschland ist er sowohl seltener Brutvogel als auch häufiger Durchzügler. Besonders die Küsten des Wattenmeeres besitzen für ihn eine große Bedeutung.
Vorkommen in Norddeutschland
Brutplätze liegen vor allem an Nord- und Ostseeküste auf vegetationsarmen Sand-, Kies- und Muschelflächen. Naturnahe Strände, Primärdünen und höher gelegene Bereiche auf Inseln sind besonders wichtig.
Außerhalb der Brutzeit rastet die Art in deutlich größerer Zahl im Wattenmeer. Dann findet man sie an Schlick- und Sandwatten, an Salzwiesenrändern und auf Hochwasserrastplätzen.
Im Binnenland ziehen Sandregenpfeifer regelmäßig, aber in geringeren Zahlen durch und nutzen offene Ufer an Seen, Kiesgruben und Flüssen.
Geschätzter Bestand
Der Brutbestand in Deutschland ist klein und stark auf die Küsten konzentriert. In Niedersachsen brütet ein erheblicher Teil des Landesbestandes im Nationalpark Wattenmeer; die Art gilt dort als stark gefährdet.
Während des Zuges ist sie wesentlich zahlreicher. Für Niedersachsen werden bis zu etwa 12.000 rastende Vögel angegeben.
Diese Rastzahlen umfassen auch Vögel nordischer Populationen, die in Deutschland nur vorübergehend Nahrung aufnehmen und anschließend weiterziehen.
Brutverhalten
Das Nest besteht aus einer einfachen Mulde auf offenem Boden. Häufig liegen darin kleine Muschelschalen, Steinchen oder Pflanzenreste.
Meist werden vier Eier gelegt. Ihre fleckige Färbung tarnt sie hervorragend zwischen Sand, Kies und Muschelschill.
Beide Eltern brüten. Die Brutdauer liegt ungefähr bei 23 bis 25 Tagen.
Aufzucht der Jungen
Die Küken sind Nestflüchter und verlassen die Nestmulde schon kurz nach dem Schlupf.
Sie suchen selbst nach kleinen Wirbellosen, werden jedoch von beiden Eltern geführt, gewärmt und bewacht.
Bei Gefahr versuchen Altvögel häufig, einen Feind durch auffälliges Verhalten vom Nachwuchs wegzulocken. Flugfähig werden die Jungen nach ungefähr vier Wochen.
Aussehen
Der Sandregenpfeifer wird etwa 18 bis 20 Zentimeter lang. Er besitzt einen rundlichen Kopf, kurzen Schnabel und relativ kurze Beine.
Erwachsene Vögel zeigen ein schwarzes Brustband, eine schwarze Gesichtsmaske und eine helle Stirn. Beine und Schnabelbasis sind orangefarben, die Schnabelspitze schwarz.
Die Oberseite ist graubraun, die Unterseite weiß.
Pracht- und Brutkleid
Im Brutkleid sind schwarze Gesichtszeichnung und Brustband besonders kräftig. Beim Männchen wirken sie meist tiefer schwarz als beim Weibchen.
Die orange Schnabelbasis und die Beine sind ebenfalls besonders auffällig.
Schlichtkleid
Im Schlichtkleid werden die schwarzen Partien bräunlicher und weniger kontrastreich. Das Brustband kann schmaler oder unregelmäßiger erscheinen.
Die Schnabelfärbung wird dunkler, während die Beine weiterhin gelblich bis orange wirken.
Jugendkleid
Jungvögel ähneln dem Schlichtkleid. Das Brustband ist meist bräunlich und oft nicht vollständig geschlossen.
Die Federn der Oberseite besitzen feine helle Säume. Insgesamt wirkt das Jugendkleid weicher und weniger kontrastreich.
Nahrung und Nahrungssuche
Sandregenpfeifer fressen Ringelwürmer, kleine Krebstiere, Insekten, Mollusken und andere Wirbellose.
Typisch ist die Regenpfeifer-Technik: Der Vogel läuft einige Schritte, bleibt plötzlich stehen, sucht den Boden optisch ab und pickt dann gezielt nach Beute.
Verhalten
Die Art ist wachsam und bewegt sich häufig in kurzen schnellen Läufen. Zwischen den Läufen verharrt sie abrupt.
Im Flug fällt eine deutliche weiße Flügelbinde auf. Der Ruf ist weich und flötend.
Bedeutung Norddeutschlands
Norddeutschland ist sowohl Brut- als auch Rastgebiet. Besonders die wenigen naturnahen Strandabschnitte benötigen konsequenten Schutz vor Störungen.
Da die Art direkt am Boden brütet, können Freizeitnutzung, freilaufende Hunde und Überflutungen rasch zum Verlust eines Geleges führen.
