Graubrust-Strandläufer (Calidris melanotos)
Der Graubrust-Strandläufer ist ein mittelgroßer Strandläufer, der in Norddeutschland nur als Durchzügler und seltener Gast auftritt. Besonders auffällig ist seine dicht gestrichelte graubraune Brust, die zum weißen Bauch hin fast wie mit einer klaren Linie abgeschnitten wirkt.
Seine eigentlichen Brutgebiete liegen weit entfernt in den arktischen Regionen Sibiriens und Nordamerikas. Dennoch erscheint die Art inzwischen alljährlich in Deutschland. Besonders während des Herbstzuges werden immer wieder einzelne Vögel an geeigneten Feuchtgebieten entdeckt.
Vorkommen in Norddeutschland
In Norddeutschland kann der Graubrust-Strandläufer vor allem in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern beobachtet werden.
Geeignete Rastplätze sind flache Süß- und Brackwassergebiete, schlammige Ufer, überschwemmte Wiesen, Küstenlagunen, Salzwiesen, Klärteiche, Fischteiche und andere Gewässer mit niedriger Vegetation.
Obwohl es sich um einen Strandläufer handelt, hält er sich während des Zuges keineswegs ausschließlich direkt an der Meeresküste auf. Besonders gern nutzt er feuchte Grasflächen und schlammige Bereiche mit niedriger Vegetation.
An der Nordseeküste können Graubrust-Strandläufer beispielsweise auf Vorlandflächen, an flachen Speicherbecken oder in küstennahen Feuchtgebieten erscheinen. An der Ostsee werden flache Lagunen, Boddenbereiche und andere nahrungsreiche Rastplätze genutzt.
Auch weit im norddeutschen Binnenland sind Beobachtungen möglich.
Geschätztes Vorkommen
Der Graubrust-Strandläufer besitzt in Deutschland keinen Brutbestand.
Auch für rastende Vögel lässt sich keine feste norddeutsche Bestandszahl angeben. Dafür ist die Art zu selten und ihr Auftreten von Jahr zu Jahr zu unterschiedlich.
In Deutschland wurden inzwischen mehrere hundert Nachweise gesammelt. Mittlerweile erscheint die Art regelmäßig und jedes Jahr, allerdings weiterhin nur in vergleichsweise kleinen Zahlen.
An einzelnen Rastplätzen wird meistens nur ein einzelner Vogel entdeckt. Gelegentlich treten zwei oder mehrere Tiere gemeinsam auf. Größere Ansammlungen sind in Deutschland ausgesprochen ungewöhnlich.
Für Norddeutschland sollte deshalb nicht von einem festen Bestand, sondern von einem regelmäßigen, aber spärlichen Durchzug gesprochen werden.
Dass der Graubrust-Strandläufer heute häufiger beobachtet wird als früher, dürfte teilweise auf eine bessere Beobachtung und Erfassung zurückzuführen sein. Gleichzeitig spricht einiges dafür, dass zumindest ein Teil der in Europa auftretenden Vögel regelmäßig aus den sibirischen Brutgebieten nach Westen zieht.
Zugverhalten
Die meisten Graubrust-Strandläufer werden in Norddeutschland während des Herbstzuges beobachtet.
Erste Altvögel können bereits ab Juli erscheinen. Im August nimmt die Zahl der Beobachtungen zu. Besonders im September und Oktober werden regelmäßig Jungvögel festgestellt.
Späte Beobachtungen sind noch im November möglich.
Im Frühjahr tritt die Art wesentlich seltener auf. Einzelne Graubrust-Strandläufer können dann auf ihrem Weg in die nördlichen Brutgebiete beobachtet werden.
Die ungewöhnliche Verteilung der Brutgebiete führt zu sehr langen Zugwegen. Ein großer Teil der Weltpopulation überwintert in Südamerika. Bei den in Europa auftretenden Vögeln dürfte jedoch zumindest ein Teil aus den sibirischen Brutgebieten stammen und eine westliche Zugroute nutzen.
Brutgebiete
Die Brutgebiete des Graubrust-Strandläufers erstrecken sich über die arktische Tundra.
Sie reichen von Nordsibirien über Alaska und den Norden Kanadas bis in die Umgebung der Hudson Bay.
Bevorzugt werden feuchte Tundrenlandschaften mit Gräsern, Seggen, kleinen Wasserflächen und sumpfigen Bereichen.
In Norddeutschland brütet die Art nicht.
Außergewöhnliches Balzverhalten
Das Brutverhalten des Graubrust-Strandläufers unterscheidet sich deutlich von dem vieler anderer Watvögel.
Während der Balz können die Männchen einen besonderen Luftsack im Brustbereich aufblasen. Dadurch wirkt die Brust zeitweise ungewöhnlich groß und kugelförmig.
Mit aufgeblasener Brust führen die Männchen Balzflüge über der Tundra aus. Gleichzeitig erzeugen sie sehr tiefe, dumpfe und weithin hörbare Balzlaute.
Auch am Boden präsentiert sich das Männchen mit aufgeblähter Brust, erhobenem Schwanz und auffälligen Körperbewegungen.
Die Männchen sind deutlich größer und schwerer als die Weibchen. Dieser Größenunterschied gehört zu den stärksten Geschlechtsunterschieden unter den Strandläufern.
Paarung und Brut
Graubrust-Strandläufer bilden keine dauerhaften Brutpaare.
Ein Männchen versucht während einer Brutsaison, sich mit mehreren Weibchen zu verpaaren. Nach der Paarung beteiligt es sich weder am Nestbau noch an der Bebrütung der Eier oder der Aufzucht der Jungvögel.
Die gesamte Brutpflege wird vom Weibchen übernommen.
Das Nest liegt direkt am Boden und ist gut zwischen Gräsern und niedriger Tundrenvegetation verborgen. Es besteht aus einer kleinen Mulde, die mit trockenen Gräsern, Blättern und anderem Pflanzenmaterial ausgelegt wird.
Ein vollständiges Gelege umfasst normalerweise vier Eier.
Aufzucht der Jungen
Das Weibchen bebrütet die Eier allein.
Nach ungefähr 21 bis 23 Tagen schlüpfen die Küken.
Die Jungen sind Nestflüchter und besitzen bereits beim Schlupf ein dichtes Daunenkleid. Schon kurze Zeit später verlassen sie das Nest.
Ihre Nahrung suchen die Küken von Anfang an selbstständig. Das Weibchen begleitet, bewacht und führt sie.
Nach ungefähr drei Wochen können die jungen Graubrust-Strandläufer fliegen.
Zu diesem Zeitpunkt haben die meisten erwachsenen Männchen die Brutgebiete bereits verlassen und mit ihrem Zug begonnen.
Aussehen
Der Graubrust-Strandläufer erreicht ungefähr 19 bis 23 Zentimeter Körperlänge. Damit ist er größer und kräftiger gebaut als Zwergstrandläufer, wirkt aber kleiner als viele Wasserläufer.
Die Beine sind relativ lang und meist gelblich, gelbgrün oder olivfarben.
Der Schnabel ist mittellang und dunkel. An seiner Basis kann eine gelbliche oder olivfarbene Aufhellung erkennbar sein.
Die Oberseite ist überwiegend braun und mit dunklen sowie hellen Federsäumen fein gemustert.
Das wichtigste Kennzeichen befindet sich jedoch auf der Unterseite.
Die namensgebende Brustzeichnung
Hals und Brust sind dicht mit feinen dunklen Längsstrichen bedeckt. Dadurch entsteht eine graubraune, stark strukturierte Brustfläche.
Diese Zeichnung endet an der unteren Brust ungewöhnlich abrupt.
Direkt darunter beginnt der nahezu ungezeichnete weiße Bauch.
Dieser scharfe Übergang zwischen gestrichelter Brust und weißem Bauch gehört zu den wichtigsten Erkennungsmerkmalen des Graubrust-Strandläufers und hat der Art ihren deutschen Namen gegeben.
Pracht- oder Brutkleid
Im Prachtkleid ist die Oberseite besonders kontrastreich.
Rücken, Schultern und Flügel zeigen eine Mischung aus Dunkelbraun, Schwarz, Beige und teilweise rostbraunen Farbtönen.
Helle Federsäume erzeugen ein fein gemustertes Erscheinungsbild.
Kopf und Hals sind ebenfalls deutlich gestrichelt. Über dem Auge verläuft ein heller Überaugenstreif.
Die Brust ist kräftig dunkel gestrichelt und kann einen graubraunen Grundton besitzen. Zum weißen Bauch hin endet diese Zeichnung ausgesprochen deutlich.
Die Beine erscheinen gelblich bis olivgrün.
Männchen und Weibchen unterscheiden sich farblich nur wenig. Das Männchen ist jedoch durchschnittlich erheblich größer und kräftiger gebaut.
Schlicht- oder Winterkleid
Im Schlichtkleid wird das gesamte Gefieder etwas unauffälliger.
Die Oberseite ist überwiegend graubraun bis dunkelbraun und zeigt weniger warme rostbraune Farbtöne.
Die Brust bleibt gestrichelt, wirkt jedoch häufig etwas gleichmäßiger und weniger kontrastreich als während der Brutzeit.
Der scharfe Übergang von der gezeichneten Brust zum weißen Bauch bleibt bestehen.
Auch der helle Überaugenstreif ist weiterhin erkennbar.
Da Graubrust-Strandläufer nur selten in Norddeutschland überwintern, werden Vögel im vollständigen Winterkleid hier wesentlich seltener beobachtet als Tiere im Jugend- oder Übergangskleid.
Jugendkleid
Jungvögel gehören zu den Graubrust-Strandläufern, die in Norddeutschland am häufigsten beobachtet werden.
Ihr Gefieder wirkt häufig besonders frisch und kontrastreich.
Die Oberseite ist dunkelbraun und besitzt zahlreiche rostbraune, beige und cremefarbene Federsäume. Dadurch entsteht ein fein geschupptes Muster.
Auf Rücken und Schultern können helle Linien sichtbar werden.
Der Kopf zeigt einen auffälligen hellen Überaugenstreif.
Die Brust ist fein gestrichelt und häufig etwas wärmer braun gefärbt als bei Altvögeln. Auch bei Jungvögeln endet die Brustzeichnung abrupt vor dem weißen Bauch.
Die Kombination aus warm gefärbter Oberseite, gelblichen Beinen und scharf abgegrenzter Brust macht Jungvögel mit etwas Erfahrung gut bestimmbar.
Nahrung
Graubrust-Strandläufer ernähren sich hauptsächlich von kleinen wirbellosen Tieren.
Zur Nahrung gehören Insekten und deren Larven, kleine Krebstiere, Würmer, Spinnen und andere Kleintiere.
Während des Zuges können zusätzlich kleine Schnecken und andere Wasserorganismen aufgenommen werden.
Bei der Nahrungssuche laufen die Vögel durch sehr flaches Wasser, über Schlammflächen oder durch niedrige feuchte Vegetation.
Dabei lesen sie Beutetiere von der Oberfläche auf oder stochern mit ihrem Schnabel kurz in den weichen Untergrund.
Verhalten
Graubrust-Strandläufer sind während des Zuges häufig einzeln unterwegs.
Sie können sich jedoch anderen Watvögeln anschließen und gemeinsam mit Alpenstrandläufern, Kampfläufern oder anderen Strandläufern auf geeigneten Flächen Nahrung suchen.
Bei Gefahr bleiben sie teilweise zunächst zwischen niedriger Vegetation stehen oder drücken sich etwas tiefer an den Boden.
Im Flug zeigen die Flügel nur einen schwachen hellen Flügelstreifen. Die Beine können etwas über das Schwanzende hinausragen.
Bedeutung Norddeutschlands
Norddeutschland liegt am westlichen Rand der regelmäßigen europäischen Zugroute des Graubrust-Strandläufers.
Die Art ist hier zwar wesentlich seltener als Alpenstrandläufer, Kampfläufer oder Bekassine, erscheint inzwischen aber regelmäßig.
Besonders wertvoll sind flache, nahrungsreiche Feuchtgebiete mit schlammigen Ufern und niedriger Vegetation. Solche Flächen ermöglichen den Vögeln, während ihres langen Zuges ausreichende Energiereserven aufzubauen.
Der Graubrust-Strandläufer ist damit ein gutes Beispiel dafür, dass auch eine in Deutschland nicht brütende und insgesamt selten auftretende Vogelart norddeutsche Feuchtgebiete regelmäßig als Rastplatz nutzen kann.
sonders im Prachtkleid gehört er mit seiner schwarzen Unterseite und der hellen seitlichen Einfassung zu den markantesten Regenpfeifern Europas.
In Norddeutschland ist der Goldregenpfeifer heute vor allem Rastvogel und Durchzügler. Während des Frühjahrs- und Herbstzuges können große Schwärme auf Grünland, Äckern, Salzwiesen und in den küstennahen Niederungen beobachtet werden. Als Brutvogel ist die Art dagegen inzwischen aus Deutschland verschwunden.
Vorkommen in Norddeutschland
Die wichtigsten norddeutschen Rastgebiete liegen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Besonders die Marschlandschaften entlang der Nordseeküste, Eiderstedt, Nordfriesland und Dithmarschen sowie die küstennahen Niederungen Niedersachsens werden von großen Trupps genutzt.
Auch an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns tritt der Goldregenpfeifer regelmäßig auf. Dort rastet er unter anderem auf kurzrasigem Grünland, Äckern, Küstenwiesen und offenen Flächen in der Nähe von Bodden und Lagunen.
Anders als viele Watvögel ist der Goldregenpfeifer während der Rast nicht ausschließlich auf Wattflächen angewiesen. Häufig halten sich die Vögel mehrere Kilometer von der eigentlichen Küste entfernt auf landwirtschaftlichen Flächen auf.
Besonders wichtig sind offene Landschaften mit weitem Sichtfeld und kurzer Vegetation. Dort können die Vögel Nahrung suchen und gleichzeitig herannahende Gefahren früh erkennen.
Geschätzter Bestand
Beim Goldregenpfeifer muss deutlich zwischen dem ehemaligen Brutbestand und den großen Rastbeständen unterschieden werden.
Als Brutvogel gilt der Goldregenpfeifer in Deutschland inzwischen als ausgestorben. Die letzten deutschen Brutgebiete befanden sich in niedersächsischen Moorlandschaften. In Schleswig-Holstein verschwanden die regelmäßigen Brutvorkommen bereits wesentlich früher.
Ganz anders sieht es während des Vogelzuges aus. Deutschlandweit wird für den Herbst von einer Größenordnung von etwa 190.000 rastenden Goldregenpfeifern ausgegangen. Ein großer Teil dieser Vögel hält sich in Norddeutschland auf.
Für Niedersachsen wird ein Rastbestand in einer Größenordnung von etwa 66.000 Individuen angegeben.
Schleswig-Holstein gehört ebenfalls zu den bedeutendsten Rastregionen. Bei landesweiten Zählungen wurden dort schon rund 90.000 Goldregenpfeifer gleichzeitig festgestellt. Für besonders günstige Bedingungen wurde eine maximale Größenordnung von etwa 100.000 bis 110.000 Vögeln angenommen.
Da diese Zahlen aus unterschiedlichen Erfassungsjahren und Zählprogrammen stammen, können sie nicht einfach zu einer norddeutschen Gesamtsumme addiert werden. Sie zeigen jedoch, dass Norddeutschland während des Vogelzuges für einen sehr großen Teil der europäischen Population ein bedeutendes Rastgebiet darstellt.
Zugverhalten
Im Frühjahr ziehen Goldregenpfeifer aus ihren west- und südwesteuropäischen Wintergebieten nach Norden. In Norddeutschland können größere Schwärme besonders im März und April beobachtet werden.
Die Brutgebiete liegen hauptsächlich in Island, Skandinavien und den nördlichen Regionen Russlands.
Der Herbstzug beginnt bereits im Spätsommer. Besonders von September bis November können sich in Norddeutschland große Schwärme bilden.
Ein Teil der Goldregenpfeifer zieht anschließend bis nach Frankreich, auf die Iberische Halbinsel oder in andere Regionen West- und Südeuropas. In milden Wintern bleiben jedoch auch Vögel an der deutschen Nordseeküste und im norddeutschen Tiefland.
Brutverhalten
Da der Goldregenpfeifer heute nicht mehr regelmäßig in Deutschland brütet, lässt sich sein Brutverhalten in Norddeutschland nicht mehr beobachten.
In seinen nördlichen Brutgebieten besiedelt er offene Moor-, Heide- und Tundrenlandschaften mit niedriger Vegetation. Wichtig ist ein Wechsel zwischen etwas trockeneren Stellen für das Nest und feuchten Bereichen mit einem guten Nahrungsangebot.
Goldregenpfeifer können über mehrere Jahre mit demselben Partner verbunden bleiben.
Während der Balz fliegt das Männchen über dem Brutgebiet und lässt dabei seine weit tragenden, melodisch wirkenden Rufe hören.
Nest und Gelege
Das Nest liegt direkt am Boden.
Es besteht lediglich aus einer flachen Mulde zwischen niedrigen Pflanzen, Moosen oder Gräsern und wird mit wenigen trockenen Pflanzenteilen ausgelegt.
Ein vollständiges Gelege umfasst normalerweise vier Eier.
Die Eier sind gelblich, bräunlich oder olivfarben und besitzen zahlreiche dunkle Flecken. Durch diese Zeichnung sind sie zwischen Pflanzen, Moosen und Bodenmaterial sehr gut getarnt.
Beide Eltern beteiligen sich an der Brut. Nach ungefähr 27 bis 30 Tagen schlüpfen die Jungen.
Aufzucht der Jungen
Die Küken sind Nestflüchter.
Bereits kurz nach dem Schlupf verlassen sie die Nestmulde und beginnen selbstständig nach kleinen Insekten und anderen wirbellosen Tieren zu suchen.
Die Eltern führen und bewachen die Jungen. Bei Gefahr warnen sie durch Rufe und versuchen mögliche Feinde vom Nachwuchs wegzulocken.
Nach ungefähr vier bis fünf Wochen sind die jungen Goldregenpfeifer flugfähig.
Aussehen
Der Goldregenpfeifer erreicht ungefähr 25 bis 29 Zentimeter Körperlänge. Er besitzt einen rundlichen Körper, einen relativ kleinen Kopf und einen kurzen, geraden dunklen Schnabel.
Die Beine sind dunkler grau bis graubraun und wirken im Verhältnis zum Körper kürzer als bei vielen Wasserläufern.
Kennzeichnend ist zu allen Jahreszeiten die fein goldgelb, gelblich und dunkel gesprenkelte Oberseite. Je nach Lichteinfall kann das Gefieder regelrecht golden schimmern.
Im Flug fallen die hellen Unterflügel auf. Dieses Merkmal kann bei der Unterscheidung vom ähnlich großen Kiebitzregenpfeifer hilfreich sein.
Pracht- oder Brutkleid
Im Prachtkleid ist der Goldregenpfeifer besonders auffällig.
Beim Männchen werden Gesicht, Kehle, Brust und Bauch tief schwarz. Dieses schwarze Feld reicht von der Kopfseite über die gesamte Vorderseite bis weit auf den Bauch.
Zwischen der schwarzen Unterseite und der goldbraun gemusterten Oberseite verläuft ein auffälliger weißer Streifen. Er beginnt über der Stirn und zieht sich über die Kopfseite, den Hals und die Körperflanke nach hinten.
Rücken, Schultern und Flügel sind dunkelbraun bis schwärzlich und dicht mit goldgelben Flecken und Säumen versehen.
Weibchen besitzen grundsätzlich das gleiche Muster, die schwarze Unterseite ist jedoch häufig weniger geschlossen und stärker mit hellen Federn durchsetzt.
Übergangskleid
Während des Frühjahrs können in Norddeutschland Goldregenpfeifer beobachtet werden, die ihr Prachtkleid noch nicht vollständig ausgebildet haben.
Die schwarze Unterseite erscheint dann zunächst fleckig. Zwischen dunklen Federn befinden sich noch zahlreiche helle Bereiche.
Auch während des Herbstzuges können Vögel im Übergangskleid auftreten. Bei ihnen verschwindet die schwarze Färbung nach und nach und wird durch das deutlich hellere Schlichtkleid ersetzt.
Dadurch können einzelne Goldregenpfeifer zeitweise sehr unterschiedlich aussehen.
Schlicht- oder Winterkleid
Im Schlichtkleid fehlt die schwarze Unterseite vollständig.
Gesicht, Hals, Brust und Bauch sind nun überwiegend hell beigebraun, gelblichgrau oder weißlich. Brust und Flanken können eine feine dunkle Strichelung zeigen.
Die Oberseite behält ihre charakteristische goldgelbe Sprenkelung, wirkt jedoch insgesamt weniger kontrastreich als im Prachtkleid.
Über dem Auge ist häufig ein heller Überaugenstreif zu erkennen.
Das Winterkleid bietet auf trockenen Wiesen, Stoppelfeldern und braunen Ackerflächen eine ausgezeichnete Tarnung. Ein ruhig stehender Goldregenpfeifer kann dort trotz seiner Größe erstaunlich schwer zu entdecken sein.
Jugendkleid
Junge Goldregenpfeifer ähneln bereits stark den erwachsenen Vögeln im Schlichtkleid.
Die Oberseite ist dunkelbraun und besitzt zahlreiche deutlich abgegrenzte gelbliche bis goldfarbene Flecken und Federsäume. Dadurch wirkt das gesamte Gefieder besonders fein gemustert.
Kopf, Hals und Brust sind gelblich bis beigebraun und kräftiger gestrichelt als der helle Bauch.
Eine schwarze Unterseite besitzen Jungvögel noch nicht.
Im Laufe des ersten Winters verändert sich das Jugendgefieder durch die Mauser zunehmend in Richtung des Schlichtkleides erwachsener Vögel.
Nahrung
Goldregenpfeifer ernähren sich hauptsächlich von kleinen Bodentieren.
Besonders wichtig sind Regenwürmer, Insekten und deren Larven, Spinnen, kleine Schnecken und andere wirbellose Tiere. Ergänzend können auch Samen, Pflanzenteile und Beeren aufgenommen werden.
Bei der Nahrungssuche zeigen sie das typische Verhalten vieler Regenpfeifer: Der Vogel bleibt zunächst aufmerksam stehen, läuft anschließend einige Schritte schnell nach vorne und pickt dann eine Beute vom Boden.
Im Gegensatz zu Arten mit langen Schnäbeln stochert der Goldregenpfeifer nur wenig tief im Untergrund.
Verhalten
Außerhalb der Brutzeit ist der Goldregenpfeifer ausgesprochen gesellig.
Während des Vogelzuges entstehen teilweise Schwärme aus vielen Tausend Vögeln. Häufig halten sich Goldregenpfeifer gemeinsam mit Kiebitzen auf Grünland und Äckern auf.
Werden solche Ansammlungen aufgeschreckt, steigen die Tiere oft gleichzeitig auf und bilden dichte, schnell ihre Richtung wechselnde Schwärme.
Am Boden verteilen sie sich anschließend wieder über die Nahrungsflächen.
Charakteristisch ist auch der weit tragende, etwas melancholisch wirkende Ruf, der besonders während des Zuges häufig zu hören ist.
Bedeutung Norddeutschlands
Für den Goldregenpfeifer besitzt Norddeutschland heute eine besondere Bedeutung als Rast-, Nahrungs- und teilweise Überwinterungsgebiet.
Vor allem die weiten offenen Marschlandschaften entlang der Nordseeküste gehören zu den wichtigsten Rastregionen Mitteleuropas. Grünland, feuchte Wiesen, Wintergetreideflächen und andere offene Agrarlandschaften liefern den Vögeln während ihrer Zugpausen große Mengen an Nahrung.
Gleichzeitig zeigt die Geschichte des Goldregenpfeifers, wie stark sich die Vogelwelt Norddeutschlands verändert hat. Noch früher gehörte die Art zu den Brutvögeln norddeutscher Moor- und Heidelandschaften. Durch Entwässerung und Veränderung dieser Lebensräume gingen die Brutgebiete nach und nach verloren.
Heute begegnet man dem Goldregenpfeifer in Norddeutschland deshalb hauptsächlich als Gast aus dem hohen Norden – dann allerdings stellenweise in beeindruckenden Schwärmen aus vielen Tausend Vögeln.
