Sichelstrandläufer (Calidris ferruginea)

Der Sichelstrandläufer ist ein eleganter mittelgroßer Strandläufer mit relativ langen Beinen und leicht nach unten gebogenem Schnabel. Besonders auffällig ist das intensive ziegelrote Brutkleid. In Norddeutschland ist die Art ausschließlich Durchzügler und tritt vor allem im Wattenmeer auf.

Vorkommen in Norddeutschland

Die Brutgebiete liegen in der arktischen Tundra Sibiriens. Auf dem Weg zwischen Arktis und afrikanischen Überwinterungsgebieten zieht die Art durch Norddeutschland.

Im Frühjahr erscheinen Sichelstrandläufer vor allem im Mai. Deutlich zahlreicher ist häufig der Wegzug von Juli bis September, wenn zuerst Altvögel und später Jungvögel durchziehen.

Bevorzugte Rastplätze sind Schlickwatten, flache Lagunen, überschwemmte Wiesen, Köge und andere seichte, nahrungsreiche Gewässer.

Geschätzter Bestand

Ein deutscher Brutbestand existiert nicht. Die Art wird daher ausschließlich über ihre Rast- und Durchzugsbestände bewertet.

Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr sehr stark. In manchen Jahren treten nur kleinere Trupps auf, in anderen können an günstigen Rastplätzen mehrere Hundert Vögel zusammenkommen.

Für einzelne große Schutzgebiete an der niedersächsischen Küste werden aktuelle Bestandsgrößen im niedrigen dreistelligen Bereich angegeben. Solche Werte sind jedoch Momentaufnahmen und nicht mit der Gesamtzahl der durchziehenden Vögel gleichzusetzen.

Brutverhalten

Der Sichelstrandläufer brütet in der hocharktischen Tundra Sibiriens. Das Nest ist eine flache Mulde in niedriger Vegetation.

Meist umfasst das Gelege vier Eier. Die Brutzeit ist wegen des kurzen arktischen Sommers stark konzentriert.

Die Bebrütung dauert ungefähr 20 bis 22 Tage.

Aufzucht der Jungen

Die Küken sind Nestflüchter und beginnen kurz nach dem Schlupf selbst mit der Nahrungssuche.

Die Familien lösen sich relativ früh auf. Altvögel können die Brutgebiete verlassen, während Jungvögel noch weiter heranwachsen.

Jungvögel ziehen deshalb im Herbst häufig später durch Norddeutschland als erwachsene Tiere.

Aussehen

Mit etwa 19 bis 23 Zentimetern Körperlänge ist der Sichelstrandläufer etwas größer und langbeiniger als der Alpenstrandläufer.

Der Schnabel ist mittellang und deutlich, aber nicht extrem nach unten gebogen. Die Beine sind dunkel.

Im Flug fällt ein weißer Bürzel besonders auf.

Pracht- und Brutkleid

Im Prachtkleid sind Kopf, Hals, Brust und Unterseite kräftig ziegelrot bis rostrot gefärbt.

Die Oberseite zeigt dunkle Federzentren mit hellen und rostfarbenen Säumen. Dadurch wirkt der Vogel sehr kontrastreich.

Schlichtkleid

Im Schlichtkleid verschwindet die rote Färbung vollständig. Die Oberseite ist hellgrau, die Unterseite weiß.

Brust und Hals können fein grau gestrichelt sein. In diesem Kleid wirkt die Art deutlich unauffälliger.

Jugendkleid

Junge Sichelstrandläufer besitzen eine graubraune Oberseite mit auffälligen hellen Federsäumen.

Die Brust ist oft warm beige überhaucht und fein gestrichelt. Jungvögel wirken dadurch wärmer gefärbt als adulte Vögel im Winterkleid.

Nahrung und Nahrungssuche

Die Nahrung besteht aus Insektenlarven, kleinen Krebstieren, Würmern, Mollusken und anderen Wirbellosen.

Die Vögel suchen watend im Flachwasser oder auf weichem Schlick und stochern mit dem gebogenen Schnabel im Untergrund.

Verhalten

Sichelstrandläufer sind häufig in gemischten Schwärmen mit Alpenstrandläufern, Knutts und anderen Watvögeln anzutreffen.

Durch die längeren Beine und die etwas aufrechtere Haltung lassen sie sich bei genauer Beobachtung auch außerhalb des Prachtkleids erkennen.

Bedeutung Norddeutschlands

Das Wattenmeer ist ein bedeutender Rastplatz auf dem Ostatlantischen Zugweg. Für Langstreckenzieher wie den Sichelstrandläufer sind solche nahrungsreichen Zwischenstationen lebensnotwendig.

Störungen an Hochwasserrastplätzen können die notwendige Erholung und Fettreservebildung erheblich beeinträchtigen.