Waldwasserläufer (Tringa ochropus)
Der Waldwasserläufer ist ein mittelgroßer Wasserläufer mit dunkler Oberseite, weißem Bauch und auffälligem weißem Bürzel. Anders als viele andere Limikolen ist er eng an Waldgewässer, Moore und kleine Teiche gebunden. In Norddeutschland kommt er als Brutvogel und regelmäßiger Durchzügler vor.
Vorkommen in Norddeutschland
Brutplätze liegen vor allem in moorigen und waldreichen Regionen. Genutzt werden kleine Waldteiche, Moorgewässer, Gräben und feuchte Waldlichtungen.
In Mecklenburg-Vorpommern besitzt die Art einen wichtigen deutschen Verbreitungsschwerpunkt. Auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein existieren kleinere Brutvorkommen.
Auf dem Zug ist der Waldwasserläufer wesentlich weiter verbreitet. Dann kann er an fast jedem geeigneten Kleingewässer, an Teichrändern oder überschwemmten Flächen auftreten.
Geschätzter Bestand
Der deutsche Brutbestand ist klein, aber deutlich größer als noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Art hat zahlreiche Gebiete wiederbesiedelt.
Für Mecklenburg-Vorpommern wurden bereits Bestände in der Größenordnung von einigen hundert Brutpaaren angegeben, während Niedersachsen und Schleswig-Holstein deutlich kleinere Populationen besitzen.
Während des Zuges sind wesentlich mehr Individuen in Norddeutschland anwesend als während der Brutzeit.
Brutverhalten
Eine Besonderheit ist der Neststandort. Waldwasserläufer bauen meist kein eigenes Nest am Boden, sondern nutzen alte Nester von Drosseln, Tauben oder anderen Vögeln in Bäumen.
Das Gelege umfasst gewöhnlich vier Eier.
Beide Partner brüten ungefähr 20 bis 23 Tage.
Aufzucht der Jungen
Die Küken verlassen das hoch gelegene Nest schon sehr früh. Sie springen zum Boden und werden dort von den Eltern geführt.
Als Nestflüchter suchen sie ihre Nahrung bald selbst.
Nach ungefähr vier Wochen sind sie flugfähig.
Aussehen
Der Waldwasserläufer ist etwa 21 bis 24 Zentimeter lang. Die Oberseite ist sehr dunkel braun bis fast schwarz und fein weiß gefleckt.
Die Unterseite ist weiß, die Brust dunkel gestrichelt. Im Flug fällt der rein weiße Bürzel stark auf.
Die Beine sind grünlich bis graugrün, der Schnabel dunkel und gerade.
Pracht- und Brutkleid
Im Brutkleid wirken die hellen Flecken der dunklen Oberseite und die Bruststrichelung besonders deutlich.
Die Geschlechter sehen einander sehr ähnlich.
Schlichtkleid
Im Schlichtkleid ist die Oberseite etwas matter und weniger kontrastreich.
Die Brustzeichnung wird schwächer, der weiße Bürzel bleibt jedoch ein hervorragendes Bestimmungsmerkmal.
Jugendkleid
Jungvögel besitzen auf der Oberseite feine helle Punkte und Säume.
Die Brust ist häufig etwas wärmer braun überhaucht als bei erwachsenen Vögeln.
Nahrung und Nahrungssuche
Die Nahrung besteht aus Insekten, Larven, kleinen Krebstieren, Würmern und anderen Wirbellosen.
Die Art sucht am Ufer, im Flachwasser und auf schlammigem Untergrund. Beute wird überwiegend von der Oberfläche aufgenommen.
Verhalten
Waldwasserläufer treten häufig einzeln auf und sind weniger gesellig als viele Küstenlimikolen.
Bei Störung fliegen sie rufend auf. Ihr kräftiger, pfeifender Ruf macht sie oft bemerkbar, bevor der Vogel gesehen wird.
Bedeutung Norddeutschlands
Norddeutsche Moor- und Waldlandschaften gehören zu den wichtigsten Brutgebieten der Art in Deutschland.
Kleine, störungsarme Waldgewässer und naturnahe Moore sind deshalb von besonderer Bedeutung.
