Regenbrachvogel (Numenius phaeopus)

Der Regenbrachvogel ähnelt dem Großen Brachvogel, ist jedoch deutlich kleiner und besitzt einen kürzeren gebogenen Schnabel. Besonders auffällig ist die Kopfzeichnung mit hellem Scheitelstreif und dunklen Seitenstreifen. In Norddeutschland ist die Art ein regelmäßiger Durchzügler, der vor allem im Frühjahr und Spätsommer an den Küsten sowie in offenen Feuchtgebieten erscheint.

Vorkommen in Norddeutschland

Die Brutgebiete liegen in nördlichen Moor-, Heide- und Tundrenlandschaften von Island und Nordeuropa bis weit nach Sibirien. In Deutschland brütet der Regenbrachvogel nicht regelmäßig.

Auf dem Zug rastet er besonders im Wattenmeer, an Salzwiesen, Flussmündungen, feuchten Küstenwiesen und auf kurzrasigem Grünland. Auch im Binnenland können einzelne Vögel oder kleinere Trupps auf überstauten Wiesen und Äckern auftreten.

Der Heimzug ist vor allem im April und Mai auffällig. Der Wegzug setzt im Juli ein und kann bis in den September reichen. Die Überwinterungsgebiete liegen überwiegend an Küsten Afrikas und Südeuropas.

Geschätzter Bestand

Deutschland besitzt keinen regulären Brutbestand. Als Rastvogel kann der Regenbrachvogel jedoch in beträchtlicher Zahl auftreten. Für Deutschland wird als Größenordnung des saisonalen maximalen Rastbestandes ungefähr 40.000 Individuen angegeben.

Die größten Konzentrationen liegen im norddeutschen Küstenraum. Innerhalb kurzer Zugperioden können die Zahlen stark schwanken, weil viele Vögel nach wenigen Tagen weiterziehen.

Brutverhalten

Der Regenbrachvogel brütet auf offenen Moor- und Tundrenflächen, feuchten Heiden und kurz bewachsenen Hochflächen. Das Nest liegt als flache Mulde am Boden und ist nur spärlich ausgekleidet.

Das Gelege besteht gewöhnlich aus vier Eiern. Beide Eltern beteiligen sich an Brut und Revierverteidigung. Die Brut dauert ungefähr 27 bis 28 Tage.

Aufzucht der Jungen

Die Küken sind Nestflüchter. Sie verlassen die Nestmulde kurz nach dem Schlupf und suchen selbstständig nach Insekten und anderen kleinen Beutetieren. Die Altvögel führen und bewachen sie.

Aussehen

Mit etwa 37 bis 45 Zentimetern Körperlänge ist der Regenbrachvogel kleiner als der Große Brachvogel. Der Schnabel ist gebogen, aber deutlich kürzer. Die Beine wirken graublau bis grau.

Besonders typisch ist der Kopf: Über den dunklen Scheitel verläuft ein heller Mittelstreif, daneben liegen dunkle Scheitelstreifen und helle Überaugenstreifen. Diese markante Zeichnung ist ein gutes Unterscheidungsmerkmal zum Großen Brachvogel.

Pracht- und Brutkleid

Die Art zeigt keinen extremen saisonalen Farbwechsel. Im Brutkleid wirken Rücken und Brust etwas kontrastreicher. Das Gefieder besteht aus Braun-, Grau-, Beige- und Schwarztönen mit dichter Längszeichnung an Hals und Brust.

Schlichtkleid

Im Schlichtkleid werden die Farben etwas matter und grauer. Die charakteristische Kopfzeichnung bleibt jedoch gut sichtbar.

Jugendkleid

Junge Regenbrachvögel ähneln den Altvögeln. Helle Säume an den Federn der Oberseite können das Gefieder frischer und stärker geschuppt erscheinen lassen.

Nahrung und Nahrungssuche

Auf dem Zug ernährt sich der Regenbrachvogel von Würmern, Krebstieren, kleinen Muscheln, Schnecken und Insekten. Auf Grünland werden auch größere Insekten und Regenwürmer aufgenommen.

Im Gegensatz zum Großen Brachvogel sucht er nicht ausschließlich mit tiefen Schnabelstichen. Viel Beute wird von der Oberfläche aufgenommen oder aus flachen Bodenschichten gezogen.

Verhalten

Regenbrachvögel treten auf dem Zug einzeln oder in Trupps auf. Sehr charakteristisch ist der flötende Ruf, der häufig aus einer schnellen Reihe gleichartiger Töne besteht und im Flug weithin hörbar ist.

Die Vögel sind leistungsfähige Langstreckenzieher und können große Distanzen über Meer und Land ohne längere Zwischenstopps zurücklegen.

Bedeutung Norddeutschlands

Die norddeutschen Küsten bilden eine wichtige Zwischenstation zwischen den nördlichen Brutgebieten und den afrikanischen Winterquartieren. Salzwiesen und Wattflächen liefern Nahrung, während störungsarme Hochwasserrastplätze Ruhephasen ermöglichen.

Da Regenbrachvögel häufig nur kurze Zeit an einem Ort bleiben, kann ihre Bedeutung leicht unterschätzt werden. Die Summe vieler geeigneter Rastplätze entlang der Küste ist für einen erfolgreichen Zug entscheidend.