Waldschnepfe (Scolopax rusticola)
Die Waldschnepfe ist eine außergewöhnliche Limikole, denn sie lebt nicht an offenen Ufern oder im Watt, sondern überwiegend in feuchten Wäldern. Ihr gedrungener Körper, der sehr lange gerade Schnabel und das perfekt getarnte braune Gefieder machen sie am Waldboden fast unsichtbar. In Norddeutschland ist sie Brutvogel, Durchzügler und teilweise Wintergast.
Vorkommen in Norddeutschland
Geeignete Lebensräume sind lichte Laub- und Mischwälder mit feuchten Böden, Auwälder, Moorwälder, feuchte Buchenwälder und strukturreiche Waldränder. Wichtig sind eine gut entwickelte Kraut- und Strauchschicht sowie offene Bodenstellen für die Nahrungssuche.
In Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern kommt die Waldschnepfe als Brutvogel vor. Besonders in waldreichen und feuchten Landschaften kann sie regelmäßig auftreten.
Im Herbst ziehen zusätzlich zahlreiche Vögel aus Skandinavien und Nordosteuropa durch. Dann können Waldschnepfen auch an der Küste oder in ungewöhnlich offenen Lebensräumen auftauchen.
Geschätzter Bestand
Die Waldschnepfe ist wegen ihrer heimlichen, dämmerungsaktiven Lebensweise schwer zu erfassen. Bundesweit wird der Brutbestand in der Größenordnung von mehreren zehntausend Revieren geschätzt.
Auch für Schleswig-Holstein gelten Bestandsangaben als methodisch unsicher, weil balzende Männchen zwar auffallen, brütende Weibchen jedoch leicht übersehen werden.
Langfristig hängen regionale Bestände stark von Waldstruktur, Bodenfeuchte und Störungsintensität ab.
Brutverhalten
Die Balz beginnt häufig bereits im März. Männchen fliegen in der Abend- und Morgendämmerung auf festen Routen über Waldlichtungen und Schneisen. Dieser sogenannte Schnepfenstrich wird von charakteristischen quorrenden und pfeifenden Lauten begleitet.
Das Nest liegt am Boden zwischen Laub, Farnen oder niedriger Vegetation. Es ist eine flache, gut getarnte Mulde.
Das Gelege besteht meist aus vier Eiern. Das Weibchen brütet ungefähr 21 bis 24 Tage.
Aufzucht der Jungen
Die Küken sind Nestflüchter und verlassen den Nestbereich kurz nach dem Schlupf.
Das Weibchen führt die Jungen. Bei Gefahr kann es kleine Küken mit den Beinen oder zwischen Körper und Beinen ein Stück weit tragen.
Nach etwa drei Wochen beginnen die Jungvögel zu fliegen; vollständig selbstständig werden sie wenig später.
Aussehen
Die Waldschnepfe wird etwa 33 bis 38 Zentimeter lang. Der Schnabel ist sehr lang und gerade, die Beine dagegen relativ kurz.
Das Gefieder besteht aus Braun-, Beige-, Schwarz- und Grautönen. Querbänder auf dem Kopf und das komplizierte Muster der Oberseite erzeugen eine hervorragende Tarnung.
Die großen dunklen Augen sitzen weit hinten am Kopf und ermöglichen ein sehr großes Gesichtsfeld.
Pracht- und Brutkleid
Zwischen Brut- und Schlichtkleid bestehen kaum auffällige Unterschiede.
Frisch gemauserte Vögel wirken etwas kontrastreicher, grundsätzlich bleibt das Tarnmuster aber das ganze Jahr erhalten.
Schlichtkleid
Auch im Winter bleibt die typische braune Zeichnung unverändert.
Ein ausgeprägter saisonaler Farbwechsel fehlt.
Jugendkleid
Jungvögel ähneln den Erwachsenen bereits stark. Ihre Federn wirken häufig etwas weicher und die Zeichnung weniger klar abgegrenzt.
Mit zunehmender Mauser werden die Unterschiede rasch geringer.
Nahrung und Nahrungssuche
Die Nahrung besteht vor allem aus Regenwürmern, Insektenlarven, Käfern und anderen Bodenwirbellosen.
Mit dem langen Schnabel stochert die Waldschnepfe im weichen Waldboden. Die empfindliche Schnabelspitze hilft dabei, Beute unter Laub und Erde zu finden.
Gelegentlich werden auch kleine Mengen pflanzlicher Nahrung aufgenommen.
Verhalten
Tagsüber sitzt die Waldschnepfe meist versteckt und regungslos am Boden. Erst in der Dämmerung wird sie aktiver.
Bei Gefahr fliegt sie plötzlich und mit schnellen Flügelschlägen zwischen den Bäumen davon.
Der Schnepfenstrich der Männchen gehört zu den charakteristischsten Frühlingsbeobachtungen feuchter Wälder.
Bedeutung Norddeutschlands
Norddeutsche Wälder sind sowohl Brut- als auch Rastgebiet. Besonders feuchte, strukturreiche und nicht zu dicht geschlossene Wälder sind wichtig.
Entwässerung, starke Auflichtung ohne Unterwuchs und der Verlust feuchter Waldstellen können die Lebensraumqualität deutlich verschlechtern.
