Uferschnepfe (Limosa limosa)
Die Uferschnepfe ist ein großer, langbeiniger Watvogel der Feuchtwiesen. Ihr sehr langer gerader Schnabel und das rostrote Brutkleid machen sie unverwechselbar. Deutschlandweit konzentriert sich ihr Brutvorkommen stark auf den Nordwesten, weshalb Schleswig-Holstein und Niedersachsen eine besondere Verantwortung für die Art tragen.
Vorkommen in Norddeutschland
Die wichtigsten deutschen Brutgebiete liegen in feuchten, offenen Grünlandlandschaften Norddeutschlands. Schwerpunkte befinden sich in Nordfriesland, Dithmarschen, an der Unterelbe, im Bremer Becken, in Ostfriesland und in ausgewählten Binnenlandgebieten.
Uferschnepfen benötigen im Frühjahr hohe Wasserstände, weichen Boden und extensiv bewirtschaftete Wiesen. Intensiv entwässerte und früh gemähte Flächen sind als Brutgebiet kaum geeignet.
Nach der Brut sammeln sich die Vögel an flachen Gewässern und Küstenrastplätzen, bevor sie in Richtung Westeuropa und Afrika ziehen.
Geschätzter Bestand
Der deutsche Brutbestand ist in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. Die Art gehört bundesweit zu den großen Verlierern der Feuchtgrünlandvögel.
Allein in Niedersachsen gab es um 1980 noch mehr als 6.000 Brutpaare; viele traditionelle Gebiete verloren seither einen großen Teil ihrer Bestände.
Heute konzentrieren sich bedeutende Restbestände in intensiv betreuten Schutzgebieten. Lokale Erfolge zeigen, dass Vernässung, spätere Mahd und Prädationsmanagement den Rückgang bremsen können.
Brutverhalten
Die Uferschnepfe kehrt im zeitigen Frühjahr in ihre Brutgebiete zurück. Die Männchen zeigen auffällige Balzflüge mit rufenden Flugrunden.
Das Nest ist eine flache Mulde im Gras. Meist werden vier olivgrüne bis bräunliche Eier gelegt.
Beide Eltern brüten. Die Brutdauer beträgt ungefähr 22 bis 24 Tage.
Aufzucht der Jungen
Die Küken sind Nestflüchter und verlassen die Nestmulde rasch.
Sie suchen selbst Nahrung, werden aber von beiden Eltern geführt und intensiv bewacht.
Nach ungefähr vier Wochen sind sie flugfähig. Bis dahin benötigen sie strukturreiche, feuchte Wiesen mit ausreichend Insekten.
Aussehen
Die Uferschnepfe wird etwa 37 bis 42 Zentimeter lang. Der Schnabel ist sehr lang, fast gerade und an der Basis rosa bis fleischfarben.
Die Beine sind lang und dunkel. Im Flug fallen breite weiße Flügelbinden und ein schwarzer Schwanz mit weißer Basis auf.
Männchen sind im Durchschnitt kleiner und im Brutkleid häufig kräftiger gefärbt als Weibchen.
Pracht- und Brutkleid
Im Brutkleid sind Kopf, Hals und Brust kräftig rostrot bis orangebraun.
Die Flanken zeigen dunkle Querbänder, Rücken und Flügel sind braun-grau gemustert.
Schlichtkleid
Im Schlichtkleid verschwindet die rostrote Färbung weitgehend. Kopf, Hals und Brust werden hell graubraun.
Die Unterseite ist weißlich. Der lange zweifarbige Schnabel bleibt auffällig.
Jugendkleid
Jungvögel ähneln adulten Vögeln im Schlichtkleid, besitzen aber wärmere braune Farbtöne.
Die Oberseitenfedern haben helle, bufffarbene Säume und ergeben ein gleichmäßiges Schuppenmuster.
Nahrung und Nahrungssuche
Uferschnepfen fressen Würmer, Insekten, Larven, kleine Schnecken und andere Wirbellose.
Mit dem langen Schnabel stochern sie tief in weichem Boden. Im Frühjahr sind nasse Wiesen besonders ergiebig.
Auch pflanzliche Nahrung kann außerhalb der Brutzeit eine Rolle spielen.
Verhalten
Uferschnepfen sind zur Brutzeit ausgesprochen wachsam. Bei Gefahr steigen die Altvögel auf und warnen laut.
Außerhalb der Brutzeit bilden sie größere Trupps und ruhen gemeinsam an flachen Gewässern.
Bedeutung Norddeutschlands
Nordwestdeutschland ist das Kerngebiet der deutschen Brutpopulation. Der Erhalt der Art hängt deshalb unmittelbar von der Zukunft des Feuchtgrünlands ab.
Hohe Wasserstände, späte Mahd, extensive Nutzung und großflächige Schutzmaßnahmen sind entscheidend, damit Jungvögel erfolgreich flügge werden.
