Temminckstrandläufer (Calidris temminckii)

Der Temminckstrandläufer ist ein sehr kleiner, unscheinbar gefärbter Watvogel. Er ist etwa lerchengroß und lässt sich leicht übersehen, weil er sich ruhig und bodennah bewegt. In Norddeutschland tritt er als regelmäßiger, aber meist nur in kleinen Zahlen beobachteter Durchzügler auf.

Vorkommen in Norddeutschland

Die Brutgebiete liegen in der nördlichen Tundra und Taiga von Skandinavien bis Sibirien. Deutschland wird im Frühjahr und Herbst auf dem Zug berührt.

Bevorzugt werden schlammige Ufer, flache Teiche, abgelassene Fischteiche, Überschwemmungsflächen und kleine vegetationsarme Feuchtstellen.

An der Küste kann die Art vorkommen, ist aber im Binnenland an geeigneten Schlammflächen oft ebenso gut zu finden.

Geschätzter Bestand

Ein deutscher Brutbestand existiert nicht. Temminckstrandläufer erscheinen ausschließlich als Durchzügler.

Die Zahl rastender Vögel ist deutlich geringer als bei Alpen- oder Zwergstrandläufern. Meist werden Einzelvögel oder kleine Gruppen beobachtet.

An sehr guten Rastplätzen können sich zeitweise mehrere Dutzend Tiere sammeln, doch solche Ansammlungen sind vergleichsweise selten.

Brutverhalten

Die Art brütet am Boden in offenen, niedrig bewachsenen Landschaften des hohen Nordens.

Das Fortpflanzungssystem ist komplex: Sowohl Männchen als auch Weibchen können nacheinander mit verschiedenen Partnern brüten und jeweils Gelege betreuen.

Ein Gelege enthält gewöhnlich vier Eier. Die Brut dauert etwa 20 bis 22 Tage.

Aufzucht der Jungen

Die Küken sind Nestflüchter und suchen früh selbstständig Nahrung.

Je nach Paarungssystem kann ein Elternteil allein die Führung der Jungen übernehmen.

Nach ungefähr drei Wochen werden die Jungvögel flugfähig.

Aussehen

Mit etwa 13 bis 15 Zentimetern ist der Temminckstrandläufer sehr klein.

Der Schnabel ist kurz und gerade, die Beine sind auffällig gelblich bis grünlich.

Im Stand wirkt der Körper langgestreckt und flach. Der Schwanz ragt häufig etwas über die Flügelspitzen hinaus.

Pracht- und Brutkleid

Im Brutkleid ist die Oberseite braungrau mit dunklen Zentren und feinen rostbraunen Anteilen.

Brust und Hals sind fein gestrichelt, die Unterseite bleibt weiß.

Schlichtkleid

Im Schlichtkleid wirkt die Art einheitlich grau. Die Unterseite bleibt hell, der Kontrast zur Oberseite ist gering.

Die gelblich-grünen Beine sind dann besonders hilfreich bei der Bestimmung.

Jugendkleid

Jungvögel besitzen eine fein geschuppte Oberseite mit hellen Federsäumen.

Die Brust kann leicht beige überhaucht sein. Insgesamt wirkt das Jugendkleid wärmer als das der Altvögel im Winter.

Nahrung und Nahrungssuche

Die Nahrung besteht aus kleinen Insekten, Larven, Krebstieren und anderen winzigen Wirbellosen.

Temminckstrandläufer lesen Beute von der Oberfläche auf oder stochern flach im Schlamm.

Verhalten

Im Gegensatz zu vielen anderen Strandläufern laufen sie oft langsam und geduckt.

Bei Gefahr drücken sie sich gelegentlich zunächst an den Boden, bevor sie niedrig auffliegen.

Bedeutung Norddeutschlands

Norddeutsche Feuchtgebiete dienen der Art als kleine Zwischenstationen auf einer sehr langen Zugroute.

Gerade kurzzeitig entstehende Schlammflächen können für diese unscheinbare Art einen hohen Wert besitzen.