Pfuhlschnepfe (Limosa lapponica)
Die Pfuhlschnepfe ist ein großer, langbeiniger Watvogel mit sehr langem, leicht aufwärts gebogenem Schnabel. Sie gehört zu den charakteristischen Langstreckenziehern des Wattenmeeres. Im Frühjahr und Spätsommer können in Norddeutschland zehntausende Vögel rasten und große Schwärme bilden. Ihre Zugleistungen gehören zu den beeindruckendsten im gesamten Vogelreich.
Vorkommen in Norddeutschland
Pfuhlschnepfen brüten in der arktischen und subarktischen Tundra Nordskandinaviens, Russlands und Sibiriens sowie in weiteren nördlichen Regionen. Deutschland liegt außerhalb des regelmäßigen Brutgebietes.
Das deutsche Wattenmeer ist dagegen ein international bedeutendes Rastgebiet. Vögel aus Skandinavien und Sibirien treten zu unterschiedlichen Jahreszeiten auf. Besonders Schleswig-Holstein und Niedersachsen beherbergen große Bestände auf Schlick- und Sandwatten, in Flussmündungen und an Hochwasserrastplätzen.
Im Binnenland ist die Pfuhlschnepfe deutlich seltener und erscheint meist nur einzeln oder in kleinen Gruppen an großen Schlammflächen und Flachgewässern.
Geschätzter Bestand
In Norddeutschland können während der Zugzeiten mehrere zehntausend Pfuhlschnepfen gleichzeitig anwesend sein. Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer wurden in jüngeren Zählperioden Größenordnungen von etwa 80.000 Individuen registriert. Je nach Unterart, Zugzeit und Bewertungsverfahren können nationale Rastbestände auch deutlich über 100.000 Vögel erreichen.
Die Zahlen sind nicht als ganzjährig anwesender Bestand zu verstehen. Verschiedene Populationen ziehen nacheinander durch, sodass die Gesamtzahl der tatsächlich während eines Jahres das Wattenmeer nutzenden Vögel höher sein kann als ein gleichzeitig ermitteltes Maximum.
Brutverhalten
Im Brutgebiet besiedelt die Pfuhlschnepfe feuchte Tundren, Moore, sumpfige Heiden und niedrige Zwergstrauchvegetation. Das Nest ist eine flache Bodenmulde.
Das Gelege besteht meistens aus vier Eiern. Beide Eltern können an der Brut beteiligt sein. Die Brutdauer liegt ungefähr bei 20 bis 24 Tagen.
Aufzucht der Jungen
Die Jungen sind Nestflüchter und verlassen das Nest kurz nach dem Schlupf. Sie suchen ihre Nahrung selbst, werden aber von den Altvögeln geführt und bewacht. Mit zunehmendem Alter werden sie schnell selbstständig.
Aussehen
Die Pfuhlschnepfe ist ungefähr 37 bis 41 Zentimeter lang. Der lange Schnabel ist leicht nach oben gebogen und an der Basis häufig rosafarben, zur Spitze hin dunkel. Die Beine sind vergleichsweise kurz und dunkel.
Im Flug fällt der gebänderte Schwanz auf. Im Gegensatz zur Uferschnepfe fehlt eine breite weiße Flügelbinde. Ein heller Rückenkeil kann je nach Unterart und Blickwinkel deutlich erkennbar sein.
Pracht- und Brutkleid
Männchen sind im Prachtkleid an Kopf, Hals, Brust und Bauch kräftig rostrot bis ziegelrot gefärbt. Weibchen sind meist größer und deutlich blasser; ihre Unterseite ist häufiger nur teilweise rostfarben und stärker hell durchsetzt.
Die Oberseite ist dunkel gefleckt und trägt graue, schwarze, rostfarbene und helle Zeichnungselemente.
Schlichtkleid
Im Winterkleid ist die Pfuhlschnepfe überwiegend graubraun. Hals und Brust sind fein gestrichelt, der Bauch ist hell. Der lange leicht aufwärts gebogene Schnabel bleibt auch dann ein wichtiges Merkmal.
Jugendkleid
Jungvögel besitzen breite helle Säume an den Federn der Oberseite. Dadurch entsteht ein auffälliges geschupptes Muster. Hals und Brust sind fein gestrichelt, die Unterseite ist hell.
Nahrung und Nahrungssuche
Im Wattenmeer suchen Pfuhlschnepfen vor allem nach Ringelwürmern, kleinen Muscheln, Schnecken und Krebstieren. Mit dem langen Schnabel sondieren sie tief im weichen Schlick und können Beute erreichen, die für kurzschnäblige Watvögel unerreichbar bleibt.
Vor langen Zugstrecken steigern Pfuhlschnepfen ihre Körpermasse stark. Fettreserven dienen als Treibstoff für Nonstop-Flüge über mehrere tausend Kilometer.
Verhalten
Außerhalb der Brutzeit sind Pfuhlschnepfen gesellig. Bei Niedrigwasser verteilen sie sich über die Wattflächen, während sie sich bei Hochwasser in großen Trupps an sicheren Rastplätzen sammeln.
Einzelne Populationen sind zu extremen Langstreckenflügen fähig. Von Pfuhlschnepfen sind Nonstop-Flüge von mehr als 10.000 Kilometern dokumentiert.
Bedeutung Norddeutschlands
Das Wattenmeer ist für die Pfuhlschnepfe eine der wichtigsten Energietankstellen auf dem Ostatlantischen Zugweg. Die Vögel sind auf ein enges Zusammenspiel aus nahrungsreichen Wattflächen und ungestörten Hochwasserrastplätzen angewiesen.
Verluste von Schlickflächen, Veränderungen der Nahrungsbestände oder häufige Störungen können sich deshalb weit über Norddeutschland hinaus auswirken. Der Schutz des Wattenmeeres ist für diese Art Bestandteil eines internationalen Schutzsystems zwischen Arktis und Afrika.
