Sanderling (Calidris alba)
Der Sanderling ist ein kleiner, sehr heller Strandläufer, der besonders durch sein rastloses Hin- und Herlaufen an der Wasserkante auffällt. In Norddeutschland ist er kein Brutvogel, aber ein regelmäßiger und teilweise sehr häufiger Durchzügler und Wintergast. Sandige Nordseestrände gehören zu seinen charakteristischsten Rast- und Nahrungsgebieten.
Vorkommen in Norddeutschland
Die Art brütet in der Hocharktis Nordamerikas, Grönlands und Sibiriens. Auf dem Zug erreicht sie die deutsche Nordseeküste in großer Zahl. Besonders auf den Inseln, an offenen Sandstränden und im Wattenmeer können Sanderlinge regelmäßig beobachtet werden.
Der Frühjahrszug konzentriert sich auf April und Mai, wobei im Mai viele Vögel bereits das rostfarbene Brutkleid tragen. Der Wegzug beginnt im Spätsommer und zieht sich bis in den Herbst. Ein Teil der Vögel überwintert an der deutschen Küste.
Im Binnenland ist der Sanderling wesentlich seltener und tritt dort hauptsächlich an großen Seen, Stauseen oder schlammigen Flussufern auf.
Geschätzter Bestand
Deutschland ist für den Sanderling vor allem als Rastgebiet bedeutsam. Im Wattenmeer können zeitweise viele tausend Individuen gleichzeitig anwesend sein.
Die tatsächlich durchziehende Zahl liegt höher als die an einem einzelnen Zähltag festgestellten Bestände, weil während der Zugperiode ständig neue Vögel eintreffen und andere weiterziehen.
An einzelnen Sandstränden können sich während günstiger Zugphasen Hunderte Tiere konzentrieren. Im Winter sind die Zahlen kleiner, aber an traditionellen Strandabschnitten oft erstaunlich konstant.
Brutverhalten
Der Sanderling brütet weit nördlich der Baumgrenze in der arktischen Tundra. Das Nest ist eine flache Bodenmulde in offener, steiniger oder spärlich bewachsener Landschaft.
Das Gelege umfasst meistens vier Eier. Bei Teilen der Population kann das Weibchen zwei Gelege produzieren, von denen eines vom Weibchen und eines vom Männchen betreut wird.
Die Brutdauer beträgt ungefähr 24 bis 32 Tage, abhängig von Population und Umweltbedingungen.
Aufzucht der Jungen
Die Küken verlassen das Nest kurz nach dem Schlupf und suchen ihre Nahrung selbstständig.
Der betreuende Altvogel führt und bewacht die Jungvögel, bis sie nach etwa drei Wochen zunehmend selbstständig werden.
Schon wenige Wochen später beginnt für viele Jungvögel der lange Zug zu den weit entfernten Rast- und Überwinterungsgebieten.
Aussehen
Der Sanderling ist etwa 18 bis 21 Zentimeter lang und wirkt kompakt. Der Schnabel ist gerade, schwarz und mittellang; die Beine sind ebenfalls dunkel.
Ein wichtiges Merkmal ist das Fehlen der Hinterzehe. Dadurch besitzt der Sanderling an jedem Fuß nur drei nach vorn gerichtete Zehen.
Im Schlichtkleid ist er oberseits sehr hell silbergrau und unterseits fast rein weiß.
Pracht- und Brutkleid
Im Brutkleid verändert sich das Erscheinungsbild deutlich. Kopf, Hals und Brust werden kräftig rostrot bis rotbraun und sind dunkel gefleckt.
Auch Rücken und Schulterfedern zeigen schwarze, rostbraune und helle Muster. Besonders im Mai können im Wattenmeer sehr farbenprächtige Vögel beobachtet werden.
Schlichtkleid
Im Winter ist der Sanderling einer der hellsten Watvögel. Die Oberseite ist silbrig hellgrau, die Unterseite weiß und die dunkle Flügelkante nur dezent sichtbar.
Diese Färbung passt hervorragend zu hellen Sandstränden und macht ruhende Vögel trotz ihrer Beweglichkeit erstaunlich unauffällig.
Jugendkleid
Jungvögel besitzen eine kontrastreich schwarz-weiß gemusterte Oberseite. Viele Federn haben helle Säume und dunkle Zentren.
Die Brust kann leicht beige oder fein gefleckt sein. Im Laufe des Herbstes nähert sich das Gefieder zunehmend dem hellen Winterkleid an.
Nahrung und Nahrungssuche
Sanderlinge ernähren sich von kleinen Krebstieren, Würmern, Insekten, Muscheln und anderen Wirbellosen.
Charakteristisch ist die Nahrungssuche direkt an der Brandungskante. Die Vögel laufen einer zurückweichenden Welle hinterher, picken freigelegte Beute auf und weichen der nächsten anrollenden Welle wieder aus.
Diese schnelle Pendelbewegung macht den Sanderling an Stränden besonders leicht erkennbar.
Verhalten
Außerhalb der Brutzeit ist die Art ausgesprochen gesellig. Kleine Gruppen können sich zu großen Schwärmen zusammenschließen.
Im Flug zeigen Sanderlinge eine schmale weiße Flügelbinde. Schwärme wenden häufig synchron und wirken dabei abwechselnd hell und dunkel.
Bedeutung Norddeutschlands
Die deutsche Nordseeküste ist ein wichtiges Bindeglied zwischen arktischen Brutgebieten und südlichen Überwinterungsgebieten.
Naturnahe, störungsarme Sandstrände und Wattflächen sind deshalb nicht nur Erholungsräume für Menschen, sondern wichtige Tankstellen für diese außergewöhnlichen Langstreckenzieher.
