Stelzenläufer (Himantopus himantopus)
Der Stelzenläufer wirkt mit seinen extrem langen roten Beinen fast exotisch. Dazu kommen ein schlanker schwarzer Schnabel und ein kontrastreich schwarz-weißes Gefieder. In Deutschland war die wärmeliebende Art lange nur seltener Gast, wird aber infolge milderer Bedingungen zunehmend häufiger beobachtet und brütet gelegentlich auch im Norden.
Vorkommen in Norddeutschland
Stelzenläufer bevorzugen flache, offene Gewässer mit schlammigen Ufern, Überschwemmungsflächen, Salinen und Lagunen. In Norddeutschland erscheinen sie vor allem im Frühjahr und Sommer.
Einzelne Brutversuche und erfolgreiche Bruten wurden in den vergangenen Jahren wiederholt in Deutschland festgestellt. Norddeutsche Beobachtungen konzentrieren sich auf größere Feuchtgebiete, Küstenpolder und künstliche Flachgewässer.
Die meisten Vögel verlassen Deutschland im Spätsommer wieder und ziehen in südliche Überwinterungsgebiete.
Geschätzter Bestand
Ein stabiler, flächendeckender deutscher Brutbestand besteht nicht. Die Art gehört zu den unregelmäßigen Brutvögeln mit stark schwankenden Zahlen.
In günstigen Jahren können mehrere Paare gleichzeitig in Deutschland brüten. Langfristig nehmen Beobachtungen und Brutnachweise zu.
Für Norddeutschland bleibt der Stelzenläufer dennoch eine seltene Erscheinung.
Brutverhalten
Gebrütet wird auf kleinen Inseln, Schlammbänken oder in flacher Vegetation nahe am Wasser. Die Vögel können lockere Kolonien bilden.
Das Nest ist eine flache Mulde, die mit Pflanzenresten und kleinen Zweigen ausgekleidet wird.
Das Gelege umfasst meist vier Eier. Beide Partner brüten etwa 22 bis 26 Tage.
Aufzucht der Jungen
Die Küken verlassen das Nest kurz nach dem Schlupf und laufen selbstständig durch flache Uferbereiche.
Beide Eltern bewachen die Jungen und reagieren auf Eindringlinge mit lauten Warnrufen und Scheinangriffen.
Nach etwa vier Wochen beginnen die Jungvögel zu fliegen.
Aussehen
Der Stelzenläufer erreicht ungefähr 35 bis 40 Zentimeter Körperlänge. Seine Beine sind im Verhältnis zum Körper außergewöhnlich lang.
Die Unterseite ist weiß, Rücken und Flügel sind schwarz. Der dünne Schnabel ist gerade und schwarz.
Die Beine leuchten rosa bis rot. Dadurch ist die Art auch auf größere Entfernung gut bestimmbar.
Pracht- und Brutkleid
Im Brutkleid wirkt das Schwarz der Oberseite besonders glänzend. Männchen zeigen häufig eine dunklere Kopf- und Nackenzeichnung.
Weibchen besitzen oft etwas bräunlichere Rückenpartien. Die genaue Kopfzeichnung variiert individuell.
Schlichtkleid
Ein ausgeprägtes Schlichtkleid fehlt. Im Winter können dunkle Partien matter und die Kopfzeichnung weniger kräftig wirken.
Die charakteristischen roten Beine und der starke Schwarz-Weiß-Kontrast bleiben erhalten.
Jugendkleid
Jungvögel besitzen graubraune statt tiefschwarze Rücken- und Flügelfedern. Diese tragen häufig helle Säume.
Die Beine sind anfangs matter rosa oder fleischfarben.
Nahrung und Nahrungssuche
Stelzenläufer fressen Wasserinsekten, Larven, kleine Krebstiere, Würmer und andere Wirbellose.
Sie schreiten mit ihren langen Beinen durch seichtes Wasser und picken Nahrung von der Oberfläche oder aus dem Schlamm.
Verhalten
Die Art wirkt elegant und ruhig, kann an Brutplätzen aber sehr energisch sein.
Fliegende Stelzenläufer zeigen die extrem weit über den Schwanz hinausragenden Beine besonders deutlich.
Bedeutung Norddeutschlands
Das zunehmende Auftreten in Norddeutschland ist ein Beispiel für die dynamische Veränderung von Vogelverbreitungen.
Geeignete Flachgewässer und störungsarme Inseln können kurzfristig Brutplätze bieten, wenn Wasserstand und Vegetation stimmen.
