Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatarola)

Der Kiebitzregenpfeifer ist ein kräftig gebauter Regenpfeifer der arktischen Tundra. In Norddeutschland gehört er zu den typischen Zugvögeln des Wattenmeeres. Besonders im Frühjahr und Herbst können große Zahlen auftreten. Sein schwarzes Gesicht und die tiefschwarze Unterseite im Prachtkleid sind auffällig, während das silbergraue Schlichtkleid wesentlich unauffälliger wirkt.

Vorkommen in Norddeutschland

Der Kiebitzregenpfeifer brütet nicht in Deutschland. Seine Brutgebiete liegen in der arktischen Tundra Nordrusslands und Sibiriens. Auf dem Zug in die westeuropäischen und afrikanischen Überwinterungsgebiete nutzt die Art das Wattenmeer als eine der wichtigsten Rastregionen des gesamten Zugweges.

In Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist der Kiebitzregenpfeifer besonders an offenen Schlick- und Sandwatten, auf Muschelbänken, an Flussmündungen und an störungsarmen Hochwasserrastplätzen zu beobachten. An der Ostseeküste tritt er ebenfalls regelmäßig auf, jedoch in geringeren Zahlen. Im Binnenland erscheint er wesentlich seltener an großen Seen, Klärteichen oder überstauten Flächen.

Der Frühjahrszug erreicht vor allem im April und Mai seinen Höhepunkt. Der Wegzug setzt im Juli ein und zieht sich bis in den späten Herbst. Ein kleiner Teil der Vögel überwintert im Wattenmeer.

Geschätzter Bestand

Als Brutvogel fehlt der Kiebitzregenpfeifer in Deutschland vollständig. Die Bedeutung Norddeutschlands liegt beim Rastbestand. Für Deutschland wurden Größenordnungen von etwa 72.000 gleichzeitig rastenden Individuen als Bewertungsgröße angegeben; in einzelnen Frühjahrsperioden wurden im gesamten Wattenmeer deutlich höhere Zahlen festgestellt.

Ein erheblicher Anteil der biogeographischen Population kann sich zeitweise im Wattenmeer aufhalten. Die tatsächliche Zahl schwankt je nach Zugverlauf, Witterung und Nahrungsangebot. Langfristig zeigen manche Teilgebiete Rückgänge, während sich Bestände regional verlagern können.

Brutverhalten

In der arktischen Tundra besiedelt der Kiebitzregenpfeifer offene, trockene bis mäßig feuchte Flächen mit niedriger Vegetation. Das Nest besteht aus einer flachen Bodenmulde, die mit Flechten, Moosen und Pflanzenteilen ausgelegt werden kann.

Das Gelege umfasst normalerweise vier Eier. Beide Eltern beteiligen sich an der Brut, die ungefähr 26 bis 28 Tage dauert.

Aufzucht der Jungen

Die Küken verlassen das Nest bald nach dem Schlupf und suchen selbstständig Nahrung. Die Altvögel bewachen sie und warnen bei Gefahr. Die Jungvögel werden nach etwa vier bis fünf Wochen flugfähig.

Aussehen

Mit ungefähr 27 bis 30 Zentimetern Körperlänge ist der Kiebitzregenpfeifer kräftiger als der Goldregenpfeifer. Er besitzt einen relativ starken schwarzen Schnabel, vergleichsweise lange dunkle Beine und einen rundlichen Kopf.

Ein wichtiges Erkennungsmerkmal zeigt sich im Flug: Die Achselfedern sind tiefschwarz. Außerdem besitzt die Art eine deutliche helle Flügelbinde und einen weißen Bürzelbereich. Diese Merkmale helfen besonders bei Vögeln im Schlichtkleid.

Pracht- und Brutkleid

Im Prachtkleid sind Gesicht, Kehle, Brust und Bauch tiefschwarz. Eine breite weiße Linie zieht sich von der Stirn über die Kopfseiten und den Hals bis zu den Flanken. Die Oberseite ist silbergrau, weiß und schwarz gesprenkelt.

Weibchen können etwas weniger geschlossen schwarz gefärbt sein als Männchen, die Unterschiede sind jedoch nicht bei allen Individuen gleich deutlich.

Schlichtkleid

Im Herbst und Winter verschwindet die schwarze Unterseite. Der Vogel wirkt dann grauweiß, mit fein gefleckter Brust und silbergrau gesprenkelter Oberseite. Gerade in diesem Kleid kann er auf größere Entfernung unscheinbar erscheinen.

Jugendkleid

Jungvögel besitzen eine besonders gleichmäßig geschuppte Oberseite. Helle Federsäume erzeugen ein feines Muster aus Grau, Beige und Weiß. Die Unterseite ist hell und an Brust und Flanken stärker gestrichelt beziehungsweise gefleckt.

Nahrung und Nahrungssuche

Im Wattenmeer ernährt sich der Kiebitzregenpfeifer von Ringelwürmern, kleinen Muscheln, Krebstieren, Schnecken und anderen Wirbellosen. In den Brutgebieten kommen Insekten und deren Larven hinzu.

Bei der Nahrungssuche folgt er häufig der für Regenpfeifer typischen Strategie: kurze Läufe wechseln mit abruptem Stillstehen. Beute wird mit den Augen entdeckt und anschließend rasch aufgenommen.

Verhalten

Kiebitzregenpfeifer können einzeln, in kleinen Gruppen oder in größeren Trupps auftreten. Bei Hochwasser sammeln sie sich an sicheren Rastplätzen. Ihr melancholisch wirkender, weit tragender Ruf ist besonders im Flug häufig zu hören.

Bedeutung Norddeutschlands

Das Wattenmeer ist für den Kiebitzregenpfeifer eine internationale Schlüsselregion. Hier können die Vögel vor dem Weiterflug in die Arktis große Fettreserven aufbauen und im Spätsommer teilweise ihr Gefieder erneuern.

Ungestörte Hochwasserrastplätze und nahrungsreiche Wattflächen sind deshalb untrennbar miteinander verbunden. Werden Rastplätze gestört oder Nahrungsflächen beeinträchtigt, kann dies den Energiehaushalt der Langstreckenzieher auf einer Reise von mehreren tausend Kilometern erheblich beeinflussen.