Meerstrandläufer (Calidris maritima)
Der Meerstrandläufer ist ein kleiner bis mittelgroßer Strandläufer, der sich deutlich stärker als die meisten verwandten Arten an felsige Küsten gebunden hat. In Deutschland ist er vor allem Wintergast. Während viele andere Limikolen offene Wattflächen bevorzugen, sucht der Meerstrandläufer seine Nahrung häufig auf Buhnen, Molen, Hafenanlagen, Felsblöcken und steinigen Küstenabschnitten.
Vorkommen in Norddeutschland
Die Brutgebiete liegen in arktischen und subarktischen Regionen, unter anderem auf Island, Grönland, Spitzbergen und in Skandinavien. Deutschland liegt außerhalb des regulären Brutareals.
In Norddeutschland erscheint der Meerstrandläufer hauptsächlich vom Herbst bis zum Frühjahr. Gute Beobachtungsorte sind felsige oder künstlich befestigte Küstenbereiche an Nord- und Ostsee, besonders Helgoland, Hafenmolen, Steinpackungen und Buhnen. An reinen Sand- und Schlickküsten ist er wesentlich seltener.
Der deutsche Rastbestand erreicht sein Jahresmaximum im Winter. Das unterscheidet die Art von vielen arktischen Watvögeln, deren größte Zahlen während des Frühjahrs- oder Herbstzuges auftreten.
Geschätzter Bestand
Der Meerstrandläufer gehört in Deutschland zu den zahlenmäßig kleinen Rastvogelbeständen. Als Größenordnung wurden für Deutschland lediglich einige hundert Individuen angegeben. In Niedersachsen entfallen davon häufig nur wenige hundert oder weniger auf geeignete Küstenabschnitte.
Die geringe Gesamtzahl darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass einzelne traditionelle Winterplätze regelmäßig genutzt werden und deshalb für die Art eine besondere Bedeutung besitzen.
Brutverhalten
Im Brutgebiet besiedelt der Meerstrandläufer felsige Tundren, Geröllflächen, steinige Küstenhänge und feuchte Bereiche in arktischen Landschaften. Das Nest liegt am Boden und ist meist zwischen Steinen oder niedriger Vegetation gut verborgen.
Das Gelege besteht gewöhnlich aus vier Eiern. Beide Partner können an der Brut beteiligt sein. Nach dem Schlupf übernimmt häufig das Männchen einen großen Teil der Jungenführung.
Aufzucht der Jungen
Die Küken sind Nestflüchter und verlassen die Nestmulde kurz nach dem Schlupf. Sie suchen selbstständig nach kleinen Wirbellosen, werden aber von einem Altvogel bewacht und geführt. In der kurzen arktischen Brutsaison entwickeln sie sich rasch.
Aussehen
Der Meerstrandläufer ist etwa 20 bis 22 Zentimeter lang und wirkt kompakt. Der Schnabel ist mittellang und leicht nach unten gebogen. Seine Basis ist häufig gelblich bis orange, die Spitze dunkel. Auch die Beine sind gelblich, orange oder grünlich gefärbt.
Der deutsche Name kann etwas irreführend sein: Das Gefieder ist nicht leuchtend violett, besitzt aber im frischen Winterkleid oft einen dunklen, leicht purpurfarbenen oder bronzenen Glanz.
Pracht- und Brutkleid
Im Brutkleid ist die Oberseite kräftiger braun, schwarz und rostfarben gemustert. Kopf und Brust zeigen dunkle Strichel und Flecken. Die Unterseite bleibt zum Bauch hin heller.
Schlichtkleid
Im Winter wirkt der Meerstrandläufer überwiegend dunkel schiefergrau. Brust und Flanken sind grau gestrichelt, der Bauch ist heller. Die gelblichen Beine und die helle Schnabelbasis sind wichtige Erkennungsmerkmale.
Jugendkleid
Junge Meerstrandläufer ähneln den Altvögeln, besitzen aber stärker abgegrenzte helle Federsäume auf der Oberseite. Dadurch wirkt das Gefieder geschuppter und kontrastreicher.
Nahrung und Nahrungssuche
Die Nahrung besteht aus kleinen Krebstieren, Schnecken, Muscheln, Ringelwürmern, Insekten und anderen wirbellosen Tieren. An felsigen Küsten liest der Meerstrandläufer Beute zwischen Algen, in Spalten und auf nassen Steinen auf.
Bemerkenswert ist seine Fähigkeit, unmittelbar an der Brandungszone Nahrung zu suchen. Die Vögel laufen dicht am Wasser entlang und weichen anrollenden Wellen geschickt aus.
Verhalten
Meerstrandläufer treten häufig in kleinen Gruppen auf. Sie sind an manchen Winterplätzen wenig scheu und lassen sich auf Molen oder Steinpackungen aus relativ geringer Entfernung beobachten.
Oft vergesellschaften sie sich mit Steinwälzern oder anderen Küstenvögeln. Ihr Flug ist schnell und direkt, meist niedrig über dem Wasser oder entlang der Küstenlinie.
Bedeutung Norddeutschlands
Für den Meerstrandläufer sind geeignete steinige Küstenabschnitte in Deutschland selten. Deshalb besitzen wenige traditionelle Winterplätze eine überproportional große Bedeutung.
Störungen an Hochwasserrastplätzen, Veränderungen von Küstenbefestigungen und ein Verlust nahrungsreicher steiniger Ufer können sich lokal unmittelbar auswirken. Der Meerstrandläufer ist damit ein typischer Spezialist für einen Lebensraum, der unter den deutschen Limikolen vergleichsweise ungewöhnlich ist.
