Zwergstrandläufer (Calidris minuta)

Der Zwergstrandläufer ist einer der kleinsten Watvögel Europas. Trotz seiner geringen Größe legt er auf dem Zug enorme Entfernungen zwischen arktischen Brutgebieten und afrikanischen Überwinterungsgebieten zurück. In Norddeutschland ist er ein regelmäßiger Durchzügler, dessen Häufigkeit von Jahr zu Jahr stark schwankt.

Vorkommen in Norddeutschland

Die Brutgebiete liegen in der arktischen Tundra Nordosteuropas und Sibiriens. Norddeutschland wird vor allem während des Herbstzuges genutzt.

Geeignete Rastplätze sind flache Schlammflächen, abgelassene Teiche, Lagunen, Köge, Überschwemmungsgebiete und das Wattenmeer.

Im Frühjahr tritt die Art meist seltener auf als im Spätsommer und Herbst. Besonders Jungvögel können im August und September in größeren Zahlen erscheinen.

Geschätzter Bestand

Ein deutscher Brutbestand existiert nicht. Die Art ist ausschließlich Durchzügler.

Die Rastzahlen schwanken sehr stark. In schwachen Jahren werden an vielen Orten nur einzelne Tiere beobachtet, während in guten Jahren größere Trupps auftreten können.

Solche Schwankungen hängen unter anderem vom Bruterfolg in der Arktis, Wetterlagen und Zugrouten ab.

Brutverhalten

Zwergstrandläufer brüten in der offenen arktischen Tundra. Das Nest ist eine flache Mulde im Boden, meist zwischen niedriger Vegetation.

Das Gelege umfasst gewöhnlich vier Eier.

Die Brut dauert ungefähr 20 bis 22 Tage.

Aufzucht der Jungen

Die Küken sind Nestflüchter und suchen früh selbstständig Nahrung.

Ein Elternteil kann die Jungen führen, während der andere das Brutgebiet bereits verlässt.

Nach etwa drei Wochen sind die Jungvögel flugfähig.

Aussehen

Der Zwergstrandläufer ist nur etwa 12 bis 14 Zentimeter lang. Er besitzt einen kurzen geraden schwarzen Schnabel und schwarze Beine.

Der Körper wirkt kompakt, der Kopf relativ klein.

Im Vergleich zum Temminckstrandläufer fehlen die gelblich-grünen Beine; gegenüber größeren Strandläufern fällt die sehr geringe Körpergröße auf.

Pracht- und Brutkleid

Im Brutkleid zeigen Kopf, Hals und Brust warme rostbraune Töne mit dunklen Flecken.

Die Oberseite ist stark schwarz, rostbraun und hell gemustert.

Schlichtkleid

Im Schlichtkleid wird die Oberseite hellgrau, die Unterseite weiß.

Brust und Hals sind nur schwach grau gestrichelt. Dadurch wirkt die Art im Winter sehr blass.

Jugendkleid

Jungvögel sind besonders attraktiv gezeichnet. Die dunklen Federn der Oberseite besitzen helle und rostfarbene Säume.

Auf dem Rücken entsteht dadurch ein deutliches, schuppenartiges Muster. Die Brust kann warm beige überhaucht sein.

Nahrung und Nahrungssuche

Die Nahrung besteht aus winzigen Insekten, Larven, Krebstieren, Würmern und anderen kleinen Wirbellosen.

Zwergstrandläufer picken schnell und ununterbrochen auf Schlammflächen und in sehr flachem Wasser.

Verhalten

Die Art ist meist lebhaft und bewegt sich schnell. Häufig rastet sie gemeinsam mit Alpen-, Sichel- oder Temminckstrandläufern.

In gemischten Trupps fällt sie vor allem durch ihre geringe Größe auf.

Bedeutung Norddeutschlands

Norddeutsche Küsten- und Binnenlandfeuchtgebiete sind wichtige Zwischenstationen auf dem Zug nach Afrika.

Flache, nahrungsreiche Schlammflächen können besonders für junge Vögel entscheidend sein, um ausreichend Energiereserven für den Weiterflug aufzubauen.