Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta)

Der Säbelschnäbler ist einer der auffälligsten Watvögel Norddeutschlands. Sein kontrastreich schwarz-weißes Gefieder, die langen blaugrauen Beine und vor allem der ungewöhnlich nach oben gebogene Schnabel machen ihn bereits auf größere Entfernung unverwechselbar. In Deutschland liegt sein Schwerpunkt an der Nordseeküste und im Wattenmeer; dort ist er Brutvogel, Durchzügler und teilweise auch Wintergast.

Vorkommen in Norddeutschland

Besonders wichtig sind die Küsten von Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Säbelschnäbler besiedeln flache, salzhaltige oder brackige Gewässer, Schlickflächen, Salzwiesen, Lagunen, Köge und flache Überschwemmungsgebiete. Auch künstlich entstandene Gewässer mit offenen Ufern können als Brut- oder Rastplatz dienen.

Im Frühjahr treffen viele Brutvögel bereits im März und April ein. Nach der Brut sammeln sich Alt- und Jungvögel häufig in größeren Gruppen an nahrungsreichen Flachgewässern. Ein Teil zieht im Herbst weiter nach Südwesten, während andere Vögel in milden Wintern an der deutschen Nordseeküste verbleiben.

Geschätzter Bestand

Deutschland besitzt einen bedeutenden Anteil am mitteleuropäischen Bestand des Säbelschnäblers. Der nationale Brutbestand liegt in der Größenordnung von mehreren tausend Brutpaaren und konzentriert sich stark auf Nord- und Ostseeküste.

Auch als Rastgebiet besitzt das deutsche Wattenmeer internationale Bedeutung. Während des Zuges und nach der Brut können sich an geeigneten Plätzen mehrere tausend Säbelschnäbler gleichzeitig aufhalten. Die Bestände schwanken jedoch deutlich zwischen einzelnen Jahren und Rastgebieten.

Neuere bundesweite Auswertungen zeigen, dass die Rastbestände des Säbelschnäblers langfristig eher rückläufig sind. Deshalb sind störungsarme Flachwasser- und Schlickbereiche für die Art besonders wichtig.

Brutverhalten

Die Brutzeit beginnt meist im April oder Mai. Säbelschnäbler brüten häufig kolonieweise, teilweise gemeinsam mit Möwen und Seeschwalben. Typische Brutplätze sind vegetationsarme Inseln, Sand- und Schlickflächen sowie höher gelegene Bereiche in Salzwiesen.

Das Nest ist eine einfache Bodenmulde. Es wird nur sparsam mit Muschelschalen, kleinen Pflanzenresten oder anderem Material ausgekleidet.

Ein Gelege besteht meist aus vier Eiern. Beide Partner beteiligen sich an der Bebrütung. Die Brutdauer beträgt ungefähr 23 bis 25 Tage.

Aufzucht der Jungen

Die Küken sind Nestflüchter und verlassen das Nest kurz nach dem Schlupf. Sie können selbstständig laufen und beginnen früh mit der Nahrungssuche.

Die Eltern führen die Jungen zu flachen Wasserstellen und verteidigen sie energisch gegen Eindringlinge. Bei Störungen können Altvögel laut rufen und Scheinangriffe fliegen.

Nach etwa fünf bis sechs Wochen werden die Jungvögel flugfähig.

Aussehen

Der Säbelschnäbler erreicht etwa 42 bis 45 Zentimeter Körperlänge. Auffällig sind die sehr langen Beine und der dünne, deutlich nach oben gebogene Schnabel.

Das Gefieder ist überwiegend weiß. Kopfplatte, Nacken und mehrere große Partien auf Rücken und Flügeln sind tiefschwarz. Diese klare Zeichnung ist bei erwachsenen Vögeln zu allen Jahreszeiten gut erkennbar.

Die Beine sind blaugrau bis graublau. Männchen und Weibchen ähneln einander stark; beim Weibchen ist der Schnabel häufig etwas stärker aufgebogen.

Pracht- und Brutkleid

Im Brutkleid wirken die schwarzen Gefiederpartien besonders satt und kontrastreich. Kopf, Nacken und Flügelzeichnung heben sich scharf vom weißen Körpergefieder ab.

Die Geschlechter unterscheiden sich vor allem durch kleine Unterschiede an Schnabelform und Kopfzeichnung, nicht durch grundsätzlich verschiedene Gefiederfarben.

Schlichtkleid

Im Schlichtkleid bleibt die typische Schwarz-Weiß-Zeichnung erhalten. Die schwarzen Bereiche können etwas matter oder bräunlicher wirken, besonders bei abgetragenem Gefieder.

Ein ausgeprägter saisonaler Farbwechsel wie bei vielen Strandläufern findet nicht statt.

Jugendkleid

Junge Säbelschnäbler sind deutlich bräunlicher als Altvögel. Die dunklen Bereiche auf Rücken und Flügeln wirken braun statt schwarz und besitzen häufig helle Federsäume.

Auch die Kopfzeichnung ist weniger kontrastreich. Mit den folgenden Mausern nähert sich das Gefieder zunehmend dem der erwachsenen Vögel an.

Nahrung und Nahrungssuche

Die Nahrung besteht vor allem aus kleinen Krebstieren, Ringelwürmern, Insektenlarven und anderen wirbellosen Tieren des Flachwassers.

Typisch ist die seitlich pendelnde Nahrungssuche: Der Säbelschnäbler führt den leicht geöffneten Schnabel in flachem Wasser oder weichem Schlick schnell von einer Seite zur anderen und ertastet beziehungsweise erfasst dabei kleine Beutetiere.

Gelegentlich pickt er Nahrung auch gezielt von der Wasseroberfläche oder vom Boden auf.

Verhalten

Säbelschnäbler sind außerhalb der Brutzeit sehr gesellige Vögel. An guten Rastplätzen bilden sie größere Gruppen.

Während der Brutzeit reagieren sie gegenüber möglichen Feinden ausgesprochen wehrhaft. Ihre lauten, klaren Rufe sind an Brutkolonien häufig schon aus größerer Entfernung zu hören.

Bedeutung Norddeutschlands

Norddeutschland trägt eine besondere Verantwortung für den Säbelschnäbler, weil ein großer Teil des deutschen Brut- und Rastbestandes an Nord- und Ostseeküste lebt.

Entscheidend sind offene, flache und störungsarme Küstenlebensräume. Der Schutz von Brutinseln, Salzwiesen, Schlickflächen und flachen Gewässern kommt deshalb unmittelbar dem Säbelschnäbler zugute.