Knutt (Calidris canutus)

Der Knutt ist ein kompakter, etwa drosselgroßer Strandläufer und einer der eindrucksvollsten Langstreckenzieher des Wattenmeeres. Im Frühjahr kann er innerhalb weniger Wochen vom grauen Wintervogel zum kräftig rostrot gefärbten Brutvogel werden. Norddeutschland besitzt für die Art eine herausragende internationale Bedeutung, denn große Teile verschiedener Knutt-Populationen rasten hier auf ihrem Weg zwischen Arktis und Winterquartieren.

Vorkommen in Norddeutschland

Der Knutt brütet nicht in Deutschland. Seine Brutgebiete liegen in der Hocharktis. Im deutschen Wattenmeer treten vor allem Vögel auf, die in Grönland, Kanada oder Sibirien brüten. Sie nutzen das Wattenmeer im Frühjahr und Herbst zur Rast, teilweise auch zur Mauser und Überwinterung.

Die größten Bestände finden sich an der Nordseeküste von Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Besonders wichtig sind großflächige Schlick- und Mischwatten mit reichen Muschelbeständen. Im Binnenland ist der Knutt nur ausnahmsweise zu beobachten.

Geschätzter Bestand

Deutschland trägt für den Knutt eine besonders hohe Verantwortung. Je nach Unterart und Jahreszeit wurden für den deutschen Rastbestand Größenordnungen von über 100.000 Individuen angegeben. Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer wurden in jüngerer Zeit zeitweise etwa 140.000 Knutts registriert.

Die Zahlen schwanken stark, weil verschiedene Populationen zu unterschiedlichen Zeiten durchziehen. Zudem wechseln Rastschwerpunkte innerhalb des Wattenmeeres. Langfristig wurden in mehreren Teilgebieten Rückgänge festgestellt.

Brutverhalten

Knuts brüten in vegetationsarmen arktischen Landschaften. Das Nest ist eine flache Mulde auf trockenem Boden, häufig zwischen Steinen oder niedriger Tundrenvegetation.

Das Gelege besteht meistens aus vier Eiern. Beide Eltern beteiligen sich an der Bebrütung. Nach dem Schlupf verlässt das Weibchen die Familie häufig früher, während das Männchen die Küken noch eine Zeit lang führt.

Aufzucht der Jungen

Wie bei vielen Watvögeln sind die Jungen Nestflüchter. Sie suchen bereits kurz nach dem Schlupf selbstständig Insekten und andere kleine Beutetiere. In der kurzen arktischen Sommersaison müssen sie sehr schnell wachsen.

Aussehen

Der Knutt erreicht ungefähr 23 bis 26 Zentimeter Körperlänge. Er wirkt gedrungen, mit kurzem Hals, relativ kurzem geradem Schnabel und dunklen, eher kurzen Beinen. Im Vergleich mit vielen anderen Strandläufern besitzt er eine kräftige Brust und einen rundlichen Körper.

Im Flug zeigt sich ein heller Flügelstreif. Der Bürzel ist hell und fein gebändert.

Pracht- und Brutkleid

Im Prachtkleid sind Gesicht, Hals, Brust und Bauch kräftig rost- bis ziegelrot. Die Oberseite ist dunkel gemustert und enthält schwarze, graue, rostfarbene und helle Federpartien. Männchen können besonders intensiv rot gefärbt sein.

Schlichtkleid

Im Winter ist der Knutt überwiegend hellgrau. Die Oberseite wirkt fein geschuppt, Brust und Flanken sind dezent grau gestrichelt oder gewellt, der Bauch ist weiß. In diesem Kleid kann er mit anderen mittelgroßen Strandläufern verwechselt werden.

Jugendkleid

Jungvögel besitzen sehr gleichmäßig gezeichnete Oberseitenfedern mit dunklen Zentren und hellen Säumen. Dadurch entsteht ein sauberes, schuppenartiges Muster. Brust und Flanken sind fein gestrichelt.

Nahrung und Nahrungssuche

Im Wattenmeer ernähren sich Knutts vor allem von kleinen Muscheln, Schnecken und Krebstieren. Muscheln werden häufig vollständig geschluckt und anschließend im kräftigen Muskelmagen zermahlen.

Während des Frühjahrszuges nehmen Knutts enorme Energiemengen auf. Innerhalb weniger Wochen können sie ihr Körpergewicht stark steigern. Diese Fettreserven ermöglichen anschließend lange Nonstop-Flüge in Richtung der arktischen Brutgebiete.

Verhalten

Knuts sind ausgesprochen gesellig. An geeigneten Rastplätzen können riesige, dicht gedrängte Schwärme entstehen. Beim gemeinsamen Auffliegen wechseln helle Unterseiten und dunklere Oberseiten der Vögel gleichzeitig ihre Ausrichtung, wodurch die Schwärme wie bewegte Wolken erscheinen.

Bei Hochwasser stehen die Vögel oft dicht an dicht auf Sandbänken, Salzwiesenrändern oder anderen überflutungssicheren Flächen.

Bedeutung Norddeutschlands

Das Wattenmeer gehört zu den wichtigsten Rastgebieten des Knutts weltweit. Für viele Individuen entscheidet die Nahrungsaufnahme hier darüber, ob sie die nächste lange Zugetappe erfolgreich bewältigen können.

Besonders bedeutsam sind störungsarme Hochwasserrastplätze und Wattflächen mit ausreichend Muschel- und Wirbellosenbeständen. Die Art verdeutlicht eindrucksvoll, dass der Schutz norddeutscher Küsten nicht nur regional wirkt, sondern Teil eines Zugvogelschutzes ist, der von der Arktis bis nach Westafrika reicht.